Ein Depri-Notfall-Medipack

Heute ist das Thema Depression wieder hochgekommen. Es ist ein großes Thema für die Gesellschaft, aber die größte Schwierigkeit für diejenigen, die darunter leiden. Für die Angehörigen ist es ein Ding, welches sie nicht verstehen. Sie verstehen meistens die Dinge, die sie sehen und anfassen können. Heute möchte ich einen kleinen Leitfaden schreiben, wie du, wenn es dich betrifft, für den Moment damit umgehen kannst. Es ersetzt auf keinen Fall den Arztbesuch, aber kann deine kleine Rettung sein.

Dies ist ein 10 Punkte Depri-Notfall-Medipack:

Erstens: Was am schwierigsten zu akzeptieren ist: Du bist momentan depressiv. Es ist nunmal so und es anzuerkennen ist die größte Hürde. Du kannst bewusst nichts daran ändern, wenn du es verleugnest. Depression ist eine Krankheit. Du brauchst dich deswegen nicht zu schämen. Akzeptiere es und dann kannst du was daran ändern.

Zweitens: Für den Moment ist alles in Ordnung. Ja, das klingt komisch. Lass es mich erklären: Es ist egal, was passiert ist oder was passieren wird. Jetzt, gerade genau jetzt, ist alles in Ordnung. Deine Gedanken drehen sich im Kreis. Unschöne Dinge kommen dir in den Kopf. Du fühlst dich fehl am Platz, sinnlos, im falschem Film, dass du nicht lebst. Mach dir eines klar. Es sind kranke Gedanken. Du hängst in der Vergangenheit fest. Und meistens kommt noch die Angst dazu, die Angst vor der Zukunft, was passieren wird oder dass es keine Zukunft gibt, weil vor dir ein großes schwarzes Loch klafft. Nein, stop, für den Moment ist alles in Ordnung. Außen passieren schlimme Dinge, aber haben sie wirklich etwas mit dir, MIT DIR, zu tun? Du lebst im Jetzt, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Das Leben findet im Jetzt statt. Komm ins Jetzt. Spüre dich jetzt.

Drittens: Dein Verhalten ändert deine Gedanken, nicht umgekehrt. Um aus dieser Gedankenspirale herauszukommen, gibt es nur eine sinnvolle Möglichkeit: Die Gedankenspirale zu sprengen und an nichts zu denken. Ja, das klingt auch komisch, weil wir permanent denken, aber genau das ist der Punkt. Lenk dich ab. Erschaffe. Du erschaffst deine Realität. Sei kreativ. Bastel etwas, räum auf, lese, gehe spazieren. Wenn die Gedanken kommen, lasse sie einfach weiterziehen. Wie Wolken. Sie wollen dich wieder gefangen nehmen. Sei dir bewusst. Sei im Jetzt. Sage STOP, wenn du merkst, dass du wieder in der Spirale bist.

Viertens: Es ist egal, was du tust, Hauptsache du machst etwas. Langeweile bringt dich wieder in die Gedankenspirale. Meistens ist es ja so, dass depressive Menschen den Spaß verloren haben, keine Lust auf irgendetwas haben. Sie haben es verlernt. Wenn du Sachen immer wieder machst und merkst, dass es funktioniert, dann hilft dir das, wieder Vertrauen zu dir zu gewinnen. Auch Fehler gehören dazu. Erlaube dir, Fehler zu machen. Die sind WICHTIG! Fehler sind wichtig. Laufen lernt man, in den man stolpert.

Fünftens: Ausreichend Pausen machen. Die Konzentration leidet unter der Depression. Deswegen, sei geduldig mit dir. Dein Energiepegel ist wahrscheinlich schneller leer, als dir lieb ist. Gönne dir ruhig eine Auszeit, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Auch wenn die Pausen sehr oft sind, du bist keinem Rechenschaft schuldig, nur dir selbst gegenüber. Pausen sind sehr wichtig. Gerade das Lesen wird dann schwierig, weil man sich nichts mehr merken kann. Das ist okey. Sei nicht sauer auf dich. Oft werden wir in der Depression passiv und machen so gut wie gar nichts mehr. Um dich motiviert zu halten, mache einfach eine Pause. Das heißt nicht, dass du etwas anderes in der Pause machst. Ruhe dich aus, bewusst. Mache dir einen Tee, setz dich hin, auch wenn es nur für ein paar Minuten ist und atme mal tief durch. So regenerierst du dich. Dein Energiepegel ist halt momentan sehr gering, beachte dies. Sei lieb zu dir und habe Rücksicht, so wie du auch mit anderen nachsichtig bist.

Sechstens: Regelmäßig essen und trinken. Oft leidet auch der Appetit. Es ist wichtig, dass du regelmäßig isst und Wasser trinkst. Wenn nichts mehr richtig schmeckt und Essen und Trinken eher zur Pflicht wird, versuche dir kleine Leckereien zu machen. Kleinere Portionen können hilfreich sein. Am Anfang scheint das wirklich merkwürdig. Aber mit der Zeit ist es wichtig, dass du deinen Appetit wieder zurück gewinnst. Ein Thema bei Depression ist auch das Gewicht. Entweder nimmt man durch die Tabletten etrem zu, die der Arzt verschreibt oder man nimmt durch die Depression drastisch ab. Beide Extreme kann man durch bewusstes Essen entgegenwirken.

Siebtens: Plane Entspannungsphasen ein. In den depressiven Phasen fühlt man sich unter Dauerstrom. Man verliert den Spaß an allem. Auch der Schlaf leidet erheblich. Überlege dir bewusst, was dich entspannen kann. Lege die Entspannungsphasen über den Tag verteilt. Progressive Muskelentspannung, Meditation, ruhige Musik, ein Schaumbad, ein Spaziergang, ein netter Smalltalk, das können kleine Entspannungspausen sein. Wenn Schlaf bei dir ein ‚Thema ist, trinke eine schöne heiße Tasse Tee vor dem Schlafen. Schaue am besten vor dem Schlafengehen kein TV mehr. Lass den Tag nochmal vorbei ziehen und suche dir eine Sache aus, die gut geklappt hat. Sei nicht so selbstkritisch. Gestehe dir auch Kleinigkeiten zu. Ein Beispiel: Ich bin heute aufgestanden. (Du hast nicht den ganzen Tag im Bett gelegen.) Das ist doch schonmal was 😉 .

Achtens: DRANBLEIBEN. Mach dir so oft es geht die ersten vier Punkte bewusst. Es ist völlig normal, dass du abschweifst. Total normal. Jeder Moment, jeder Tag ist eine neue Entscheidung. Gestehe dir auch mal einen schwachen Moment zu. Es ist okey. Das gehört zum Lernprozess dazu. Es ist immer zu früh zum Aufgeben, aber nie zu spät zu kämpfen. Wenn du hingefallen bist, steh einfach wieder auf, schüttel dich, richte dein Krönchen und laufe weiter.

Ein kleiner Tipp noch: Geh Laufen, joggen oder spazieren, jeden Tag, auch wenn es nur 10 Minuten draußen an der frischen Luft ist. Auch bei Regen ist es schön. Da hilft ein Regenschirm, bloß mal raus. Laufen hilft sehr gut gegen Depressionen. Das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Am Anfang muss man wirklich die Zähne knirschen und zusammenbeißen. Hauptsache du gehst einmal die Woche raus. Das bringt dich auch von dem Gefühl weg, dass du nur auf der Flucht bist und dich so gehetzt fühlst. Da bist du immerhin schneller, als wenn du auf der Couch sitzt. Außerdem kommst du aus den vier Wänden raus!

Neuntens: DURCHHALTEN. Eine Depression kann lange dauern. Aber lass den Kopf nicht hängen, wenn es schon eine Weile dauert. Mach dir einfach wieder bewusst, du lebst im Jetzt. Gestern ist Vergangenheit, die du nicht ändern kannst. Morgen ist die Zukunft, wo du auch nichts machen kannst. Aber du kannst JETZT was tun. Aktiv sein, handeln und nicht vergessen: Fehler sind wichtig, nur so können wir lernen. Fehler sind da, um fehlendes zu integrieren.

Zehntens: Bleib dir treu. Es ist egal, was andere sagen. Verrate dich nicht an andere. Wenn du nur für andere lebst, wer lebt dann dein Leben? Lebe deine Wahrheit und nicht in einer Selbstlüge. Gewinne wieder Selbstachtung und Selbstvertrauen. Du lebst für dich. Und selbst wenn du Kinder hast: Was haben sie von einer Mama oder einem Papa, die in einem Schatten ihrer selbst vor sich hin vegetieren? Du bereicherst die Welt, wenn du du selbst bist. Mehr oder weniger brauchst du gar nicht sein. Nur du selbst. Und wenn du nicht mehr weißt, wer du bist, dann schau in den Spiegel, schau in diese Augen, gaaaanz tief, lass dir Zeit. Was siehst du dann? Einen Schatten? Na, dann ändere was und komm ins Jetzt!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s