Eine Vorlage malen

Prompts Daily Challenge von WordPress

Interview mit Sabrina, den 30.07.2016

Thema: Eine Vorlage malen

Wann war das letzte Mal, wo du von einer Diskussion weg gingst,
nur um nachzudenken, um dann Stunden später mit einem perfekten Comeback zu kontern?
Erstelle die Szene für uns, und nutze deine Gewinnlinie.


Das letzte Mal war es bei einer Familienversammlung. Das ist schon zum Glück eine Weile her.  Sie saßen alle wie beim Tribunal im Halbkreis vor mir. Da ich mich schon dadurch alleine angegriffen fühlte, blieb ich stehen, um wenigstens größer zu wirken. Dann ging das Gepolter los. Ich mache ihnen Sorgen, wieso kann ich nicht einfach mal normal sein, wie kann ich bloß so denken, ich soll mal mein Leben auf die Reihe kriegen, sie wollen mir nur helfen, sie können mich nicht verstehen, ich soll meine Tabletten nehmen, ich grenze mich aus, ich bin ein ganz anderer Mensch geworden, ich brauche nicht zu weinen oder traurig sein, alles wäre ja gut, ich bringe mich gar nicht mehr in die Familie ein, ich soll mal sagen, was ich denke, und und und…

Ich hörte einfach zu, ohne eine Miene zu verziehen. Sobald ich was sagen wollte, schnitt man mir das Wort ab und polterte weiter. Ich war so sauer, wütend, enttäuscht, traurig, dass ich einfach wegging. Sie wussten ja nicht, was es mit mir machte. Ich hatte mich die ganze Zeit davor, die Monate zurück gehalten, weil meiner Meinung nach einiges schief ging. Ich wollte nicht die Verantwortung der anderen auf mich ziehen und ließ sie machen. Falschheit, fehlende Kommunikation, Streitereien, seltsame Ansichten.

Eine Stunde später saßen sie immer noch da, tranken Kaffee. Ich setzte mich zu ihnen, atmete tief ein und sagte, sie sollen mich jetzt mal ausreden lassen. Ich sagte, dass es mich traurig macht, wie wir miteinander umgehen, oberflächlich, unehrlich. Wir könnten uns genauso gut übers Wetter unterhalten. Das wäre dasselbe. Ich wurde laut, Wuttränen platzten heraus.  Ich sagte jedem, was ich mir verkniffen hatte. Dass ich froh bin, anders zu denken. Ich sagte, dass das alles mir zu Nahe geht, ich ihre Schmerzen spüre, dieses Unverständnis nicht ertrage, mich abgrenzen muss. Dass mich ihre normophatische Art, falsche Kritik und ihre Art mich nicht zu akzeptieren, mir einzureden, dass ich falsch bin, krank macht. Ich will keine Hilfe. Es tut auch mal gut, auf ein offenes Ohr zu treffen. Ich möchte Zeit mit ihnen verbringen und nicht mit ihrem Mitleid. Es sind Ratschläge von ihnen und doch erwarten sie, dass ich genauso handle. Wie ein Befehl. Ich bin kein Kind mehr. Ich kann sie ja nur enttäuschen, wenn ich meinen eigenen Weg gehe und doch verlangen sie es von mir. Da geht doch was total in die schiefe Bahn.

Mein ganzes Leben lebe ich hauptsächlich in Extremen. Ich habe andere Glaubenssätze, die ich durch Erfahrungen erlangt habe. Eine andere Weltanschauung. Ich werde nie in ihren Fußstapfen treten. Ich hatte eine Stunde noch weitere Dinge angesprochen. Am Ende sagte ich: Entweder sollen sie mich so akzeptieren, wie ich bin oder mich in Ruhe lassen.

Sie sagten nichts mehr….

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