Gedankensprünge

Mich packt die Schreiblust 🙂 Heute schreibe ich zum 2. Teil von Schreib mit mir meinen kleinen Anfang. Ich bin wirklich begeistert und die Ideen sprudeln nur so aus mir raus. Aber wieder stecke ich in diesem Chaos fest und weiß nicht, wie ich weiter schreiben soll und wie ich ein Schreibprojekt aufbauen soll. Wo setze ich meine Prioritäten? Welche Geschichte zuerst? Oder soll ich einfach die Geschichten parallel laufen lassen und dort schreiben, wo mich die Muse küsst? Hach, einerseits liebe ich dieses Gefühl, im Flow zu sein, andererseits ist das auch manchmal überfordernd, wenn ich nicht weiter weiß. Egal, einfach machen. Mal schauen, wie es weiter geht. Ich bin ja oftmals fasziniert von meinen eigenen Geschichten, auch wenn sie langweilig erscheinen mögen, aber die haben irgendwie ein Eigenleben und fragen mich gar nicht. Ich bin nur der Regisseurin, die das ganze beobachtet und genießt.

Anweisung

Die Protagonistin liegt seit 30 Jahren im Koma. Die Familie hat all die Zeit zu ihr gehalten und die Maschinen am Laufen gehalten. Eine neue Methode ermöglicht es, der Patientin eine direkte Nachricht der Angehörigen an ihr Bewusstsein zu schicken.

„Wenn du das hier lesen kannst: Du liegst schon seit 30 Jahren im Koma. Wir probieren eine neue Technik aus. Wir haben keine Ahnung wo in deinem Traum diese Nachricht auftauchen wird, aber wir hoffen, dass wir durchkommen. Wir brauchen dich hier. Bitte, wach auf.“

Berichte, was passiert.

 

~~~

Jeden Tag wache ich auf und werde von diesem gleichartigen Alltag verfolgt. Es fühlt sich nicht richtig an, als ob ich in einem falschen Film bin. Es ist wie ein Gefängnis, aus dem ich nur mit meinen Gedanken ausbrechen kann. Die Gedanken sind frei oder nicht? Aber scheinbar nicht für mich. Ich vergesse, erinnere mich nicht und wie sollte ich da einen geraden Gedanken halten. Außerhalb dieser Mauern in meinem Kopf ist Nichts, im wahrsten Sinne des Wortes. Nichts. Jeder Gedanke mündet in einer dunklen Sackgasse und es fängt wieder von Vorne an. Soviele Fragen, flüchtig und schüchtern, die mich heimsuchen. Früher hatte ich auch schon dieses seltsame Gefühl, aber jetzt, jetzt ist es anders. Es ändert sich nichts, jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern. Ich verändere mich nicht. Und nie weiß ich, was ich gerade gemacht habe. So müssen sich Menschen fühlen, die ständig vergessen. Wie traurig und angsterfüllend. Keine Kontrolle zu haben ist schräg.

Was habe ich eben noch gerade gemacht? Ach geschlafen, glaube ich. Meine Augen sind geschlossen, noch nicht aufstehen, ich wälze und quäle mich noch ein wenig. Gedanken umkreisen mich, verschwommene Bilder, Schatten.  Nochmal nachdenken: Ich kann die Dinge um mich herum anfassen, sehen, riechen. Das Essen schmeckt, ich schlafe und träume, aber früher war es anders. Bis zu diesen einem seltsamen Tag, an dem ich auf die Arbeit wie jeden Tag ging. Die Fußgängerampel war grün, wir laufen los und dann… nichts mehr. Es ist gelöscht. Mein Tagebuch ist voll geschrieben. Das letzte Datum ist der 15. Januar 2014.

Warum kann ich mich nicht erinnern? Ist heute der 16. Januar? Dann muss ich unbedingt meine Gedanken in mein Tagebuch schreiben. Die Bettdecke fliegt auf die andere Seite des Bettes, als ich auf stehe. Meine Augen reibend, entknittere ich mich langsam und gehe schlurfend ins Wohnzimmer. Mein Tagebuch liegt verschlossen auf den Wohnzimmertisch. Ich stöbere ein bisschen in den Anfangsseiten, die mir fremd vorkommen. Das scheint alles so fern zu sein, wie aus einem vergangenen Leben. Verwirrung breitet sich in meinen Gliedern aus und krabbelt meinen Rücken hoch. Anstatt eine neue leere Seite zu finden, tauchen dort auf einmal fremdgeschriebene Worte und ein blutverschmiertes Pflaster auf: „Wenn du das hier lesen kannst: Du liegst schon seit 30 Jahren im Koma. Wir probieren eine neue Technik aus. Wir haben keine Ahnung wo in deinem Traum diese Nachricht auftauchen wird, aber wir hoffen, dass wir durchkommen. Wir brauchen dich hier. Bitte, wach auf.“ WAS? Was…was ist das? Was soll das? Wie kommt das in mein Tagebuch? Mein Magen verkrampft sich. Meine Hände zittern mit dem Buch in der Hand. Das Büchlein wird schwer wie Blei und ich muss es auf den Tisch zurücklegen.

Kann das sein? Dreißig Jahre. DREIßIG JAHRE! Da bin ich 60! Das ist unmöglich. Ich schaue suchend auf den Boden, um mich zu vergewissern, dass der Boden unter mir nicht einstürzt. So fühlt es sich nämlich an. Innerlich stürzt meine komplette Welt ein. Ich muss mich setzen, auf die Couch. Meine Beine sind schwach, meine Magengrube verkrampft, mein Kopf ein einziger Sturm. Ich werde immer kleiner, schrumpfe, mein Körper fühlt sich wie eine Marionette an. Mechanisch setze ich mich in die weiche Couch. Ein dumpfer Nachhall des Setzens zuckt durch mich hindurch. Alles verschwimmt. Das Wohnzimmer, das Tageslicht. Warum haut mich das jetzt so um? Vielleicht ist das nur ein blöder Trick! Wer weiß, wie diese Zeilen in mein Tagebuch gekommen sind. Vielleicht ein Geist oder ein Einbrecher. Das ist logischer.

Aber vielleicht… Das heißt, ich hatte Recht? Die Eingebungen, Gefühle, die in mir aufkeimen, sind doch nicht so verrückt. Bilder und Explosionen rasen durch meinen Kopf, das Puzzle fügt sich, alles wird deutlich und klar. Am 16. Januar 2016 muss was passiert sein. Wenn ich seitdem einen Filmriss habe, ist es das! Panik überströmt mich. Dann bin ich 60 Jahre alt? 60 Jahre. Die Gedanken wiederholen und wiederholen sich. Das kann nicht wahr sein. Nein. Ich wandere hier in meinem Unterbewusstsein herum? Das Koma ist mein Gefängnis? Okay, beruhige dich. Wenn sie dir eine Nachricht schicken konnten, dann geht es vielleicht auch anders herum. So kann ich herausfinden, was dran ist. Ich schreibe einfach in mein Tagebuch und warte ab, was passiert: „Wie komme ich hier raus?“

Ich gehe in einem Park spazieren. Habe ich gerade etwa an diesen komischen Park gedacht? Die Sonne scheint und ein paar ältere Menschen füttern die Tauben vor ihrer Bank. Das ist das erste Mal, dass ich so einen Sprung bewusst mitbekomme. Diese Sprünge muss ich unbedingt kontrollieren lernen, denke ich mir entmutigt. Wie komme ich jetzt wieder nachhause? Ich stelle mir vor, den ganzen Weg nachhause zu laufen und im nächsten Augenblick stehe ich vor dem Mehrfamilienhaus, wo meine Wohnung im Dachgeschoss liegt. Okay… Ich muss unbedingt herausfinden, wie das geht. Aber eigentlich habe ich es ja gerade getan. Gedanken kontrollieren. Ich muss meine Gedanken lenken. Ich springe wieder. Diesmal in mein Wohnzimmer. Die Tageszeitung vom 15. Januar liegt auf dem Wohnzimmertisch: „Wer spioniert, der fliegt – die NSA Affäre“ lese ich laut vor. Das wird immer dubioser.

Mein Tagebuch liegt immer noch auf dem Schreibtisch, offen. Ohne einen Schritt zu machen, stehe ich schon davor und betrachte die wirren Zeichnungen. Soll das mein Elternhaus sein? Der Grundriss sieht zumindest so aus. Ist das jetzt der Beweis, auf den ich gewartet habe? Alle Räume sind ausgestattet, bis auf mein altes Kinderzimmer. Das ist ein verlassener Raum. Was soll das? Wer hat das gemalt? Stutzig schaue ich mich um, da ich mich beobachtet fühle. Dann stehe ich vor meinem Elternhaus. Ich hatte es mir gerade vorgestellt. „Wenn meine Gedanken sofort materiell werden, wird das ganz schön nervig!“, schreie ich in den Garten. Ob meine Großeltern noch leben? Bestimmt nicht mehr… Meine Eltern, Geschwister? Wer hat mir die Nachricht geschickt? Wie wird die Welt da draußen wohl jetzt sein? Die knarrende Eingangstür reißt mich aus meiner Träumerei. Will ich das wirklich? Will ich wirklich zurück? Ich starre die offene Tür an, die mich einlädt, einzutreten. Ich mochte dieses gruselige Haus noch nie. Ist das nun meine Chance?

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7 Kommentare zu „Gedankensprünge

  1. ich find die Grund idee sehr gut und auch das offene Ende. Trotzdem sind da einige Punkte die mir nicht so ganz gefallen haben… es ging mir ein bisschen zu schnell. Was ist der Alltag in dem er/sie gefangen ist? Wieso empfindet er/sie es als langweilig? Wie macht sich das Gefangensein in ihm/ihr bemerkbar?
    2. Er/sie glaubt zu schnell. Warum sollte man einer Nachricht in seinem „Alltag“ sofort glauben? Der Zweifel sollte sich mehr bemerkbar machen.
    Trotzdem mag ich die Grundidee und auch die art der Umsetzung der Vorgaben und das du dich da rangetraut hast (weil ich konnte das nicht). Zu dem hast du auch alles drin, du solltest es nur noch ein bisschen ausbauen. 🙂
    -Missy

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    1. Ja, danke, da hast du absolut recht. Für mich scheint es eher wie eine Rohfassung zu sein. Der Anfangstext. Gefühlt fehlt da noch einiges. Ich wollte es nicht verlieren und erwartete wohl eine Kritik, als ich es veröffentlichte. Danke Misssy 😉

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  2. Liebe Sabrina,
    Dein Blog hat mich sofort angesprochen und dieser Beitrag hier hat mich geflasht. Ich habe auf den Link zum „2.Teil“ geklickt und selbst sofort Lust gehabt, los zu schreiben. Mit geht es ganz ähnlich wie dir, die Ideen spriudeln nur so, ich kann sich gar nicht schnell genug aufschreiben. Aber irgendwann hängt es und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll, ich verzettelle mich in meinen eigenen Ideen.
    Deine Geschichte finde ich gut. Bitte schreibe weiter.
    Viele Grüße
    Elly

    P.S. Weil mir Dein Blog so gut gefällt, habe ich Dich zum Liebster Blog Award nominiert und würde mich freuen, wenn Du mitmachst: https://ellysecke.wordpress.com/2016/09/11/liebster-blog-award/

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