Gedanken(k)reise

Ich wollte immer dazu gehören, aber ich habe nie hinein gepasst. Trotzdem habe ich immer versucht, mich anzugleichen und scheiterte bitterlich, da ich eine schlechte Kopie bin und immer sein werde. Anders habe ich als falsch empfunden, da es keinen gab, der meinen Weg lief. Andere haben es doch auch geschafft, oder? Ich habe in alle Richtungen geforscht, ausprobiert, nur um herauszufinden, dass es nicht mein Weg ist. Zeitverschwendung, nein, das war es nicht. Die wertvollen Lektionen machen mich reich an Erfahrungen. Wozu aber all die Erfahrung und das Wissen, wenn ich es nicht einsetzen und anwenden kann? Wer weiß, wofür es gut ist. Es gab immer wieder Menschen, die einen Teil meiner Sicht mit lebten, aber sie haben nie die Reichweite verstanden. Ich übrigens auch nicht. Wir denken jeden Tag 60.000 Gedanken und mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 78 Jahren (28.470 Tagen) ergibt es im Laufe unseres Lebens 1.708.200.000 Gedanken. Es reicht ein Gedanke, um die Welt besser zu machen und in jedem Gedanken ist eine Chance enthalten, alles zu ändern.

Was ist schon richtig, falsch oder anders? Wir zeigen unseren Kindern, wie sie in dieser Welt überleben können, indem sie die Grundregeln lernen. Wissen ist Beschäftigung und kreist meistens um sich selbst. Eine ständige Wiederholung, aber auch wie die Welt aus momentaner Sicht objektiv funktioniert. Diese objektive Sicht war irgendwann einmal subjektiv und wurde dann als allgemein gültig anerkannt. Was für mich wahr ist, musst nicht zwangsläufig für einen anderen Menschen wahr sein. Wahrheit ist somit auch subjektiv. Und die Logik, Mathematik, Wissenschaft, das ist die eine Seite und was ist die andere? Glaube, Hoffnung, Liebe? Es gibt alles und nichts. Wir bestehen zu 99 % aus Nichts. Zwischen dem Atomkern und den Elektronen ist Nichts, und dennoch können wir über unsere Wahrnehmung und unsere Sinne die Welt erfassen. Ist es die Anziehungskraft, die alles zusammenhält? Die Nichtmaterie, die sich materialisiert? Die Energie, die nie verloren geht, außer in einem schwarzen Loch? Ironisch, wie die Welt funktioniert….

Wir denken, wir sind die Krone der Schöpfung und doch vernichten wir uns nachhaltig. Wir bringen das allgemeine Gleichgewicht ins Wanken. Innerlich und äußerlich. In uns selbst und in der Welt, im Kosmos. Mikro- und Makrokosmos. Wann ist der Punkt ohne Rückkehr, wo es egal ist, was wir machen? Was passiert dann? Ist es egal, was wir jetzt tun? In diesem einen ewigen Moment, der so vergänglich ist? Eine Aneinanderreihung ewiger Momente. Bei dem Film „Remember me“ erinnere ich mich an die Kernaussage: „Es ist egal was du tust, Hauptsache du tust es!“ Bei jedem Film gibt es eine tiefere Kernaussage, aber ist es vielleicht nur die Gehirnwäsche oder die geheime Botschaft, die die Mächtigen uns wieder lehren wollen, weil sie ein schlechtes Gewissen haben? Oder gibt es Menschen, die wieder den Menschen zeigen wollen, worauf es im Leben ankommt und uns wieder das Denken beibringen wollen? Was ist mit dem Zitat: „Gedanken sind nicht privat. Jemand hört zu. Immer.“

Wer hört denn zu? Die Schöpfung, eine göttliche Macht, die Natur, der Kosmos? Sind Gedanken Energieströme? Sind sie auf irgendeiner Ebene doch materiell? Informationen, die gespeichert werden? Die sich wiederholen? Träume? Schall und Rauch? Wenn wir nicht mehr glauben, nicht mehr wissen, was bleibt übrig? Ist es nur wichtig, an irgendetwas zu glauben? Ist es nur wichtig zu lernen, wie man überlebt? Sollen wir als Erwachsene neu lernen zu leben? Ist alles eine Lüge? Was heißt, die Welt besser machen? Zu was? Zurück zu unseren Ursprüngen finden? Zu uns selbst? Wer sind wir eigentlich? Halten wir deshalb so sehr an einem Glauben fest? Glauben an uns selbst, an die Wissenschaft, an eine Religion? An etwas, dass größer ist, als wir uns vorstellen können? Oder kleiner? Alles und Nichts. Und wir sind ein Teil davon. Hängen unser aller Gedanken irgendwie zusammen? Hat irgendetwas auch mal einen Gedanken über uns gehabt? Sind wir ein Experiment der Natur, um uns vor einem Test zu stellen? Selbstzerstörung oder Selbstverwirklichung? Was ist der Sinn? So viele Fragen, wo die Antworten nur noch mehr Fragen aufwerfen und Querverweise sind. Lustig, nicht?!

Was maße ich mir an, darüber nachzudenken, wenn es so viele andere Menschen gibt, die sich fachlich viel besser damit auskennen? Wieso sollte jeder selbst herausfinden, was es heißt… Sollten wir Denken lernen? Ein gesundes menschliches Herz schlägt 100.000 Mal am Tag und pumpt 10.000 Liter Blut durch unseren Körper. Ein Wunder, dass alltäglich ist. Mehr als 28.470.000.000 Herzschläge in einem einzelnen gesunden Leben. Und dabei ist jeder einzelne Herzschlag wichtig für unser ganzes Leben. Die Möglichkeiten, die uns gegeben sind. Unendlich viele Herzschläge auf die Welt. Puls der Natur. Noch. Warum ist das Leben, die Welt, so besonders und wertvoll? Warum ist es das wert, es zu beschützen? Weil es ein Wunder ist, einzigartig? Eigentlich unmöglich? Eine Verkettung zufälliger Umstände? Mutationen? Ein Schatz? Wieviel kann ein einzelnes Leben vollbringen, erschaffen, aufsaugen, wissen, glauben? Jedes Lebewesen hat seinen Zweck. Selbst das Bakterium in deinen Darm. Du bist ein Mikrokosmos. Millionen und Millionen von Zellen, die leben und sterben, leben und sterben. Alle sieben Jahre komplett neu und doch kopieren wir uns ab dem 25. Lebensjahr und altern.

Somit drehe ich mich wieder mit diesem Gedankenspektrum lückenhaft im Kreis…

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2 Kommentare zu „Gedanken(k)reise

  1. Dankeschön das du so ausführlich (be)schreibst.
    In deine Gefühlslage kann ich mich momentan garnicht hineinversetzen, es sind nur Phasen in denen ich so denke. Grade bin ich in einer anderen.
    Was ich aber machen kann ist dir meine Ansicht als Aufheiterung zu schildern: Meist gehe ich davon aus, dass alles im Gleichgewicht ist. Das Leid eine Illusion ist. Das Glück daraus entspringt, dass wir die Ruhe spüren. Leid ist in meinen Augen nicht existent, da es kein „Gut“ und „Böse“ gibt. Subjektiv meinetwegen, aber objektiv betrachtet kaum jemand die Neutralität des Großen und Ganzen. Wir müssen zwischen Mitleid und Mitgefühl unterscheiden, um unser Wohlbefinden zu schützen. Wir lassen Leid an uns ran, betrachten es und lassen es wieder gehen. Wir sollten es nicht mitnehmen und herumtragen. So können wir für leidende Wesen da sein. Wenn wir selbst leiden, dann meist, weil wir uns an der Vergangenheit festklammern, oder uns um die Zukunft sorgen. Im hier und jetzt fühle ich eine wahrhaftige Leere. Diese ist eine der Glückseeligkeit, die mich nicht verlassen wird. Aus der die Vielfalt entspringe. Lächeln weckt uns wieder auf, es spendet Kraft und Mut. Auch wenn das ganze sehr buddhistisch angehaucht klingt ist es eigentlich recht trivial.

    Liebe Grüße und alles Gute Leonard

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    1. Hallo Leonard,
      Vielen Dank für deine Antwort. Normalerweise vertrete ich auch deine Ansicht. Nur ist diesmal diese Phase so markerschütternd, dass ich dadurch wahrlich in eine Glaubenskrise geraten bin. Schmerz ist unvermeidlich. Ja. Ich habe viel zulange weggeschaut und jetzt zerreißt es mich. Deswegen wohl die umwälzende Phase. Selbst wenn ich im Moment bin, ist es so laut, dass ich es kaum ertragen kann. Ich habe zuviel im Leben belächelt und hingenommen. Vielleicht dient dieses Aufgebähren ja dazu, die Perspektive aus der Naivität heraus zu bekommen. Ich danke dir von Herzen für deinen Kommentar!
      Liebe Grüße
      Bienchen

      Gefällt 1 Person

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