Illusion und Wahrheit: Kapitel 1

Dies ist eine Geschichte, wo du entscheiden kannst, was wahr und was Illusion ist.

Änderungen: 09.03.2017

Prolog


Kapitel 1

Ich muss noch viel lernen. Zum Glück habe ich all die Jahre bis jetzt überlebt. Fast 33 an der Zahl. Seit meinem Tagtraum in Berlin sind 7 Jahre vergangen. Ich hatte es nie hinterfragt, wer oder was dieses Lichtwesen war. Es war ein Tagtraum, so wie viele andere. Es war einfach da gewesen und heute noch spüre ich in besonderen Momenten diese Anwesenheit. Es gehört zu mir. Mein Beschützer und Begleiter. Eine ganz normale Sache. Ich bin immer noch auf der Suche, habe aber dafür schon einige Puzzlestücke beisammen. Einen weiteren entscheidenden Aspekt bekam ich vergangenes Wochenende. Das hat mein Leben verändert. Wiedermal. Aber eins nach dem Anderen. Wofür ich bereit sein soll, weiß ich bis heute nicht. Doch verwirrt mich der Satz ‚Alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist und dann wirst du bereit sein.‘ Den Satz habe ich danach noch zwei Mal gehört. Diesmal aber von Menschen.

Gerade dieses Wochenende saß ich mit jemanden zusammen, auf der Bank im Park, bei einer tiefsinnigen Unterhaltung, während die Kinder auf dem Spielplatz lauthals rumtobten. Die kahlen Äste raschelten im Wind. Noch etwas kühl, aber ein frischer Tag, der prädestiniert für solche Gedanken war. „Lass es nicht so nah an dich ran. Schließ endlich damit ab und nimm deine Verantwortung für dein Leben zurück. Du bist nicht ihre Marionette mehr und erwachsen noch dazu. Du bist kein kleines Kind, was nach ihrer Pfeife tanzen muss. Nicht mehr. Lass dir das nicht gefallen!“ Volker sagte diese Worte mit voller Leidenschaft, die es mich mitriss. Ich entgegnete verärgert: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun oder wie soll ich das verstehen? Ich habe es satt, dass sie immer noch diese Machtspiele mit mir spielen. Der Psychoterror geht mir absolut auf die Nerven. Am liebsten würde ich alles in Schutt und Asche legen. Was soll das Ganze überhaupt? Jetzt habe ich wieder angefangen zu rauchen und für was?“ Volker drehte sich zu mir und legte seine Beine übereinander, um mehr wie ein Lehrer zu erscheinen: „Na du bestrafst dich für eine Sache, wofür du gar nichts, aber auch gar nichts kannst. Woran bist du diesmal Schuld? Dass sie dich wie Scheiße behandeln? Samma Mädel, wach endlich auf!“

Meine zornigen Löckchen drehten sich rechts und links von meinem Gesicht auf. „Ich lasse es zumindest zu. Ich war viel zu höflich und respektvoll. Die haben doch keine Ahnung, welchen Schaden sie anrichten, ich dagegen war mir der Sache bewusst und wollte Schadenbegrenzung machen! Für meine Schwester! Es ist ihr 18. Geburtstag und den soll sie nicht so feiern wie ich. Ja, natürlich habe ich mich dagegen entschieden mit zu feiern, weil ich nicht wollte, dass durch meine Panikattacken die Aufmerksamkeit auf mich fällt. Was hat sie davon, wenn ich da bin und nur Chaos verursache. Das wäre echt schade gewesen! Aber noooiiin, sie machen mir daraus noch einen Strick und meinen mit Nachdruck, wie Scheiße es von mir ist, nicht dabei zu sein. Ich solle doch mal darüber nachdenken, was das für meine kleine Sis bedeutet, wenn wir alle drei zusammen sind und was ich ihr damit antue. Boah, ich könnt nicht so viel essen wie ich kotzen will!“ Der Klang meine Stimme wurde mit jedem Wort tiefer und lauter. „Nun beruhig dich mal. Die Kinder schauen schon in unsere Richtung. Du hast dich losgesagt. Das war richtig, für dich. Nicht nach ihrer Pfeife zu tanzen.“ Ich platzte gleich weiter: „Und dann noch diese scheinheilige Aussage ‚Sie wolle mir nur helfen‘ und mich mit unfairen Vorwürfen zu bombadiert, um sich im Nachhinein kleinlaut zu entschuldigen… Sie türmt sich auf wie mein Ex-Stiefvater. Als ob sie überlegen sei und wie gütig sie doch ist. Du hättest sie mal hören sollen!“

Die Wut in mir schäumte unerbittlich und fraß sich ihren Weg in meine Eingeweide. „Aber“, sagte ich ruhig nach einem tiefen Luftzug, um mich nicht zu übergeben, „Ich liebe sie abgöttisch. Allesamt. Und das tut höllisch weh. Es tut mir weh, dass sie mir sowas antun. Es tut weh, dass ich mich nur gerechtfertigt habe, anstatt SIE anzugreifen. Aber das kann ich nicht. Ich bin ihrer Ignoranz nicht gewachsen. Sie denken, sie müssten für mich Verantwortung übernehmen und meine Lernaufgaben für mich lösen. Sie wären gerne meine Lösung, nur um mir Erleichterung zu verschaffen.“ Mein Blicke zählten die kleinen Schottersteinchen auf den Boden, um meinen schlechten Gewissen keinen Platz zu geben. Ich schüttelte nur den Kopf. „Ich bin auch taktlos und vermessen. Aber kalt bin ich nicht. Sie leiden, mich so zu sehen, weil sie es nicht verstehen können. Sie verstehen es einfach nicht und vielleicht ist das auch besser so. Ich könnte nie die Worte finden, damit sie begreifen. Wieso also sollte ich sie angreifen wollen für etwas, was außerhalb ihrer Welt liegt und sie dieses Verständnis nie erreichen werden? Ich wäre so gerne sauer auf sie. Warum kann ich das nicht“ Meine Augen richteten sich gen Westen, wo die Sonne langsam unterging. “ Weil du ein guter Mensch bist Bienchen.“ Eine tiefe Traurigkeit erfüllte meinen Körper. Es schmerzte und mein Magen war ein einziger Knoten.

„Weißt du…“, begann Volker erneut, „Alles kommt, wenn die Zeit dafür reif ist und du bereit bist. Es hat dich auf deinen Weg einen entscheidenden Schritt vorwärts gebracht, was sehr wichtig war. Das ist es, was für dich zählen sollte und nicht, was passiert ist.“ Die trockenen Blätter rauschten in einer Welle an uns vorbei. Ich nickte, denn ich war viel zu müde, um jetzt noch zu antworten. „Ich gehe jetzt nachhause. Wir sehen uns.“ Ich drückte ihn, hauchte ein „Danke, dass du bei mir echt bist“ über seine Schulter und machte mich dann gen Heimat. Irgenwie kam ich unerwartet schnell mit dem Auto zuhause an. Es war schon dunkel und meine Gedanken ergriffen mich mit einer kalten Umarmung. Das waren sehr lange Tage voller Streit, Tränen und Zorn gewesen, die mich ausgelaugt hatten. Es schien zuviel gewesen und zu schwer, um es zu verdauen. Die Tage kündigten wohl einen wahren Weltuntergang an, denn etwas in mir ist am letzten Sonntag gestorben. Die Trauer galt anscheinend der Illusion, die weichen musste, damit ich die Wahrheit erkenne. Ich bin es wert, um meinetwillen geliebt zu werden und nicht, weil ich gefallen will.

~

In den letzten Jahren bin ich oft von meinem Weg abgekommen, habe das Vertrauen verloren und so schnell nicht wieder gefunden. Immer wenn ich dachte, ich hätte es aus dem Loch geschafft, kam etwas anderes, was mich wieder hinunter in die Tiefe riss. Komischerweise, wenn ich mich verliere, werde ich immer wieder sanft auf meinen Weg gebracht. Sehr behutsam, aber manchmal auch mit einem lauten Knall, welches die Welt erbeben lässt und die Abgründe in mir noch weiter aufreißt. So wie letztes Wochenende. Dieses Gefühl habe ich in den letzten 7 Jahren sehr intensiv erlebt. Es fühlt sich wie Sterben an, ohne den Endpunkt zu erreichen. Tod zu sein. Aber ein Stückchen stirbt schon. Jeden Tag sterbe ich mehr, wie es nötig ist. Ist es die Zeit, die ich damit getötet habe, weil ich nur vegetiere, anstatt zu leben? Wer weiß das schon. Es hat mir viele Dinge gezeigt. Ich habe an Dingen teilhaben können, die ich ohne diesen Schmerz nicht erfahren hätte.

Am Wochenende habe ich eine weitreichende Entscheidung getroffen. Dieser Traum hat mich wieder. Ich sitze an meinem Schreibtisch, der überquillt mit Büchern, Notizen und Ramsch. Bilder, Erinnerungsstücke und Verdrängtes blicken mich an. Meine alten Aufzeichnungen liegen vor mir, zwischen all dem Chaos. Sie reichen bis zu meinem 16. Lebensjahr zurück. Bis zu jenem Tag. Jenem Tag, wo mir meine Landkarte für meinen Lebensweg offenbart wurde. Es ist beängstigend auf eine unheimliche Art und Weise, die tief in mir etwas berührt. Ich habe es nicht umsonst eingefroren in der Zeit. Aber irgendetwas zieht mich magisch zu meinen vergangenen Worten, die das Präsens gefesselt haben. Die untergehende Sonne spendet durch die schwer beladenen dunklen Wolken das restliche Licht des Tages. Der ganze gestapelte Kram sieht mystisch und verlockend aus. Wenn ich es wegschmeißen würde, kämen die Lektionen auf einem anderen Weg zu mir. Der Raum, in klinischen Weiß gestrichen, scheint klein zu sein, da ich mich gefühlt dort in jedem Winkel ausgebreitet habe.

Ich fühle jede Kante der Schränke, jede Ecke der Bücher, die Blicke der Bilder. Die Luft hält den Atem an, so kommt es mir vor, damit ich endlich das erste Buch in die Hand nehme und aufschlage. Die jüngsten oder ältesten Texte? Die Sonne ist untergegangen. Es ist auf einmal dunkel. Die Zeit macht Sprünge ohne mich. Wenn ich träume sind 10 Minuten Traumzeit eine ganze Stunde in der Realität. Das habe ich auch schon herausgefunden. Der Fernseher flackert im Hintergrund. Unverständlich mache ich das Licht an und stehe nun vor der Wahl. Warum ist es bloß so schnell dunkel geworden? Da kommen die beweglichen Schatten. Ich mag das nicht, wenn ich etwas so bedeutendes mit einem erweiterten Bewusstsein begegne. Trotz all meiner Gedankengänge liegen die Blätter unschuldig an ihrem Platz und erwarten meine Entscheidung. In den letzten Jahren habe ich mir auch in Tagebüchern notiert, welche Puzzleteile ich bekommen habe. Warum sollte ich nicht zuerst schreiben, was ich dieses Wochenende bekommen habe?

Nein. Die Zeit ist noch nicht da. Erst dies hier. Das hier ist wichtiger.

Ich schaue in mein Notizbuch, welches ich von 2013 bis 2014 beschrieben habe. Dort hatte ich einige Eingebungen notiert. Wie ein Wegweiser für mein zukünftiges Ich. Mich. Das erkenne ich, als ich blättere. Eine Gänsehaut ergreift mich. Wieder ein Stück Wahrheit. Das ist was großes. Mit 29, zu meinem Geburtstag, habe ich eine Erklärung für meine Lernphasen bekommen, die Sprünge, wie die Vergangenheit meine Zukunft beeinflusst, also für mich jetzt die Gegenwart beeinflussen. Ich nannte es Zeitschleifen, weil ich solange drinstecke, bis ich die Lektion gelernte habe, die es für mich bereit hält. Dazu zu erklären ist, dass ich immer einen neuen dazugehörigen Seelennamen oder Kraftnamen bekomme, der mir in der Zeit Energie gibt.

Jetzt nicht ausflippen. Es ist wahr! Ich habe gelernt, Realist zu sein und diese merkwürdigen Dinge aus meinem Leben zu verbannen, aber wie es scheint, klappt das nicht. Realität hin oder her. Das,was hier steht, hat sich alles bewahrheitet. Die Verbindungen, die ich hier notierte, zeigten mir, dass Schlüsselereignisse meine Lebensphasen der Vergangenheit die Zukunft beeinflussten und ich nur durch das Bewusstwerden meine Herausforderungen die Zukunft meistern konnte.

Viele Dinge der Vergangenheit habe ich verdrängt und ob du es glaubst oder nicht, durch diese Bindungen erinnere ich mich wieder. An die Zeiten, bevor ich diese Verbindungen, diese Brücken aufbaue, habe ich mich nicht mehr erinnert. Aber es waren eben wieder nur Puzzleteile, für das Stückchen Wahrheit, was für mich in jenem Moment bestimmt war, um zu verstehen und weiterzugehen. Jetzt, da ich kurz vor der 33 stehe, erinnere ich mich schon an vieles, aber nicht an alles. Die letzte Zeitschleife steht mir bevor und das wird die alles entscheidende sein, die am Ende alles zeigt. Davor habe ich Angst, aber ich bin auch übertrieben neugierig. Das überwiegt glaube ich.

Die allererste Nummer, da, wo alles wirklich angefangen hat, steht nicht dort. Das macht 13 Schleifen. Die Gedanken, Eingebungen, Träume durchfluten mich. Ich lasse es geschehen und schreibe es auf, ohne zu wissen, was dort stehen wird. Das lese ich später.


Kapitel 2 Kapitel 3 Kapitel 4 Kapitel 5 Kapitel 6

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5 Kommentare zu „Illusion und Wahrheit: Kapitel 1

    1. Ich habe es noch nicht korrigiert. Einfach veröffenlicht, ohne nochmal zu lesen. Ich muss es auch zum ersten Mal lesen, aber das mache ich erst, wenn ich ein paar Kapitel geschrieben hab, um mich zu überraschen 😀 Erzähl mir dann, wie du es findest, ja? Würde mich freuen!

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  1. Ist das der Anfang deiner Geschichte? Also, eines größeren Projektes?
    Mir erschließt sich nicht ganz die Funktion des Textes: Ein Prolog soll in die Geschichte einführen, er erzählt eine Vorgeschichte, die neugierig machen soll. Bei diesem Text habe ich jedoch das Gefühl, bereits die komplette Geschichte zu kennen. Sätze wie diese: „Ich nannte es Zeitschleifen, weil ich solange drinstecke, bis ich die Lektion gelernte habe, die es für mich bereit hält. Dazu zu erklären ist, dass ich immer einen neuen dazugehörigen Seelennamen oder Kraftnamen bekomme, der mir in der Zeit Energie gibt.“ sagen mir bereits an dieser Stelle, wie die Handlung des gesamten Buches aussieht. Sicher nicht im Detail – aber trotzdem ist der Moment der Erkenntnis, dass es sich um Zeitschleifen in der Geschichte handelt, weggenommen. Dabei ist das ja der Aufhänger, der Twist der Geschichte! Das ist, als würde ich eine Liebesgeschichte über einen geheimnisvollen Jungen schreiben wollen, und erwähne schon im Prolog, dass er ein Werwolf ist. Damit ist die Geschichte bereits vollständig erzählt und nicht mehr lesenswert…

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    1. Danke für den Hint, das ist nicht der hauptsächliche Inhalt.Der Prolog ist hier http://wp.me/p7ImML-vY und in Artikel gekennzeichnet. Aus der dritten Sicht klingt es sehr logisch. Daran hatte ich nicht gedacht, aber das wird ein längeres Buchprojekt und ist selbst für mich sehr komplex. Ich wollte es im Außen einfacher gestalten , um es nachvollziehbar zu machen und da dachte ich mir, ich stelle die Erzählstränge vorsichtig vor. Der Prolog ist eine wichtige Schlüsselszene. Vielen herzlichen Dank für deine konstruktive Kritik. Sie hilft mir sehr und ist notiert, wenn ich mich nochmal an die Überarbeitung mache.
      Liebe Grüße
      Sabrina

      Gefällt 1 Person

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