Illusion und Wahrheit: Prolog

Prolog

 

Es geschah in meinem ersten Semester Volkswirtschaftslehre in Berlin. Ich schlenderte vormittags an einem sonnig-bewölkten Frühlingstag im Jahr 2010 von der Humboldt-Uni Mensa Richtung dem Berliner Dom, weil mich irgendetwas in diese Richtung zog. Also ging ich dem nach. Die Baustelle des Museums hatte eine Wand aufgestellt. Durch die Gucklöcher konnte man angeblich in die Vergangenheit schauen. Neben jedem Guckloch war eine kleine Geschichte zu lesen, durch welche Zeitreise der Zuschauer mit diesem Loch ging. Ich beobachtete die Menschen, wie sie sich an den Bauabsperrungen entlang hangelten und drängten. So ging ich weiter an den Säulen vorbei. Dort spielte ein Straßenmusiker sein schönes Lied. Er lächelte mich an und nickte. Mir kam es vor, als ob er sagen wollte: „Nur weiter gehen. Du bist hier genau richtig.“ Sein Lächeln verstreute eine unglaublich tiefe Wärme, die mich sehr berührte.

Ich kam beim Lustgarten an oder wie die Wiese vor dem Dom heißt. Das alte Museum strahlte imponierend zu meiner Linken. Am Rand der Wiesen waren Bänke aufgestellt, die von den Bäumen vor der Sonne geschützt wurden. Eine der Bänke zog mich noch intensiver an, als dieses Gefühl, was mich hierher führte. Ich dachte Okay und setzte mich zielstrebig hin, ohne zu wissen, was als nächstes kommt. Da wartete ich nun. Einige Minuten vergingen und ich wurde langsam ungeduldig, was es wohl sein sollte, was mich hier erwartete. Also ließ ich meinen Blick umher schweifen. Auf die Leute. Auf die Studenten. Die Autos auf der großen Straße ‚Unter den Linden‘. Mein Blick wurde dann an der Eingangstür zum Dom aufgehalten. Ein kleiner Regenbogen, dort wo eigentlich keiner sein durfte, blinzelte mich an. Ach, das war bestimmt ein Tropfen des Brunnens, dachte ich verwirrt. Eine kleine Gruppe ging gerade die Treppen hoch.

Ein Tunnel wollte mich in einen Tagtraum ziehen, aber ich schüttelte den Kopf und sah stattdessen die Figuren an. Die Statuen schienen lebendig zu sein. Ich folgte ihren namutigen Bewegungne, ohne mir etwas dabei zu denken. Es sah wunderschön aus. Sie wiesen mir einen Weg zu einer Statue oben links. Als ich bei dieser Statue ankam, lächelte sie. Sie zwinkerte mir sogar zu! Ich war viel zu weit weg, um es zu erkennen, aber ich spürte es. Es war magisch. Ich spürte eine so tiefe Verbundenheit und Zufriedenheit, die unvergleichlich war. Zumindest zur jener Zeit. Die Falten auf meiner Stirn halfen mir, meinen Blick zu intensivieren, aber da war ich schon in den Tunnel gezogen worden. Die allmähliche Abwesenheit war wohl groß genug, um mich abzulenken. Da war ich nun. Auf der Bank. In einem Tagtraum gefangen. Die äußeren Geräusche wurden dumpfer, etwas verschwommen. Eine durchsichtige kleine Regenbogenbrücke erstreckte sich von der zwinkernden Statue auf den Platz neben mir und ich war nicht mehr alleine. Einen Moment von Ewigkeit berührte mich.

„Du suchst nach Antworten“, sprach ein Gefühl in mir. Ich nickte und wartete. Zuerst war es meine Stimme, aber dann veränderte sie sich. Ich hatte ein vollkommenes Vertrauen, dass es nicht schlimm war. Ich wusste es einfach. Es war noch nicht einmal verrückt genug, um mich zu verschrecken. Ich hatte zuvor schon solche Tagträume, aber keines so intensiv wie in diesem Moment. „Schau dir die Menschen an. Jeder sucht nach seiner Antwort. Aber deine Antwort, die du suchst, ist anders.“ In meinem Tagtraum sah ich an meine Seite. Es war ein Körper in Licht gehüllt. Dieses Wesen legte seine Hand auf meine Schulter. „Du bist nicht allein meine Liebe. Es gibt Menschen, die dich lieben, die dich glauben zu lieben, aber nicht verstehen. Das ist nicht schlimm, dass sie dich nicht sehen können. ICH sehe dich und bin an deiner Seite. Du bist nur so alleine, wie du sein willst… Du bist das Licht, welches du suchst. Aber bevor du es erkennst, musst du auf eine Reise gehen, um bei dir anzukommen. Sehe es als Ausbildung und wenn die Zeit gekommen ist, wirst du bereit sein.“

„Für was? Wer bist du?“ schoss es reflexartig aus mir heraus. Bis jetzt war ich einfach zu paralysiert gewesen, um zu sprechen, aber jetzt wollte es aus mir heraus brechen, explodieren. Das Wesen lächelte mit einem Verständnis zu einem Kind, welches seinen Weg erst noch finden muss, ohne ihm zu viel zu verraten. „Ich kann verstehen, dass du neugierig bist, das ist gut, aber alles zu seiner Zeit. Jetzt musst du nur wissen, dass es viele Menschen gibt und geben wird, die dich auf deinem Weg begleiten. Welche im Vordergrund, die einen Stück des Weges mit dir gehen, welche im Hintergrund, die du nie kennen lernen wirst. Das wichtigste für dich, was allgegenwärtig auf deinem Weg sein wird, ist dein Vertrauen. Auch wenn du meine Stimme nicht hörst, bin ich immer bei dir und passe auf dich auf, so wie die anderen auch. Es gibt viele von uns, im oben und im unten, die dich beobachten. Jeden deiner Schritte. Das haben wir schon immer getan und werden es immer tun. Wir sind stolz auf dich und gespannt, wie es weiter gehen wird. Deine Geschichte.“

Ein verschmitztes Lächeln war nicht zu überhören. Geschichte, wohl eher meinen Traum. Ich hatte mit 16 Jahren einen Traum gehabt, der mich seitdem nicht mehr los ließ. Es war eine Landkarte einer Welt, zwar nur ein kleiner Anteil daran, aber sie war so real wie die Bank unter mir. Botschaften wurden mir über Tagträume und Schlafträume von dieser Traumwelt übermittelt, die auch in der Realität Wirkung zeigten und mir als Vorahnung dienten. Ich dachte immer, dass es Einbildung war, ein bisschen zu viel Phantasie. Es waren Warnungen, Deja- Vus, Wegweiser, die ich gerne nutzte, aber nie zum Schaden anderer. Eine lebende Welt in einer anderen Dimension, so erlebte ich diesen Ort. Ich hatte schon einige Seiten geschrieben, die mich zu diesen Ort brachten, wie eine kleine Reise durch eine vernebelte Traumwelt, aber ich hatte es zu ernst genommen und vor 2 Jahren damit aufgehört, den Ruf zu folgen.

„Ja, genau diese Geschichte. Sie ist mit deinem Leben verwoben wie die Wirklichkeit“ so der Geist. „Okay, du siehst meine Gedanken. Dass meine Gedanken und Gefühle nicht privat sind, macht mich irgendwie nervös.“ Also hatte Es auch meine Gedanken und Gefühle von dem Beginn unserer Unterhaltung gespürt. „Du hast nach einem Zeichen, einer Hilfe verlangt und es wurde Zeit, dass du dies erlebst. All deine Erfahrungen, Erinnerungen, all deine Gefühle sind Teil deiner Reise. Du kannst dich natürlich auch dagegen entscheiden, jederzeit, aber es wird nicht verschwinden. Es ist deine Bestimmung. Dein Sinn. Auch wenn es sowas eigentlich nicht gibt. Schicksal ist relativ.“ Er hatte wieder meine Gedanken beantwortet, um mir vielleicht auch ein wenig die Angst zu nehmen. „Das ist die merkwürdigste Unterhaltung, die ich je geführt habe und ich habe schon einige seltsame Dinge erlebt“, meinte ich laut. Einen Moment lang lachten wir, als wäre es das Normalste auf der Welt.

Behutsam führte Es mich wieder aus dem Tagtraum heraus. Alles wurde wieder klarer. „Vertraue.“ War das letzte Wort, was ich hörte, bevor ich wieder wach war. Ich schaute auf die Uhr. Eine Stunde. Es kam mir vor wie ein Augenblick. Aber nun musste ich schnell die S-Bahn erwischen, bevor sich jemand Sorgen machte.


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13 Kommentare zu „Illusion und Wahrheit: Prolog

      1. Danke, wow. So eine Reaktion hätte ich nicht erwartet. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und deine Worte lassen mich hoffen. Ich schreibe diese Geschichte nicht bewusst. Es ist eher eine Eingebung, die aus meinem Unterbewussten sich wie ein Samenkorn empor kämpft, zum Licht aus dem Dunkel des Unterbewusstseins. Es ist der Prolog, aber wie das erste Kapitel anfängt, da lasse ich mich überraschen. Wie denkst du würde es weitergehen können?

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      2. Da kann ich mich nur überraschen lassen, da alles weitere ebenfalls aus Deinem Unterbewusstsein auf das Papier fließen wird. Aber ich stelle mir natürlich Fragen. Wofür wirst Du bereit sein? Welchen Raum werden die Träume und der Geist in Deinem leben einnehmen? Wohin führen sie Dich? Worum handelt es sich bei diesem Geist? Wo kommt er her? Was für Antworten wirst Du finden? Entsprechen sie dem, was Du Dir erhoffst? Wirst Du dem Geist Vertrauen schenken? Wirst Du Dir vertrauen? Worin besteht Deine Bestimmung genau, Dein Schicksal? Wird es sich erfüllen?

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      3. Eine Schlange im Paradies, verührte das „Pärchen “ und wurde aus diesem Grund verbannt. Der Weg ist die Waage des Gleichgewicht s und ist unausweichlich. Die Lösung „anpassen , Waage bestmöglich austarrieren , was wie du schon beschreibst fast unmöglich ist oder so zu leben das jener jederzeit bereit den Kampf für das was dir von Bedeutung ist , mit ehre , liebe und stolz zu „gehen“ wenn das .. leid .. dem dahinscheiden eines geliebten Menschen überwiegt

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      4. Lilith ist eine tiefgehende Geschichte in der Bibel, die mehr in anderen Glaubensrichtungen zu finden ist, da sie von der Kirche verpönnt und umschrieben ist. Es war eine Echse. Ein Drache, der danach von Gott verdammt worden ist, auf seinen Bauch sein Leben zu führen und so zur Schlange wurde. Lilith in ihrer tierischen Gestalt, um Adam und Eva zu zeigen, die Geschichte, die vor Eva passiert ist. In den Bibelkommentaren steht auch geschrieben, dass Gott selbst, das Paradies als Prüfung sah und es von vorne herein wusste, dass Adam und Eva scheitern, weil sie ihm so ähnlich sind. Das kannst du alles in Bibelkommentaren der Kirche lesen. Der Anschein ist nur eine Ablenkung. Danke für dein Kommentar! Ich denk noch einmal darüber nach 🙂
        Liebe Grüße

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      5. Eine Schlange im Paradies, verührte das „Pärchen “ und wurde aus diesem Grund verbannt. Der Weg ist die Waage des Gleichgewicht s und ist unausweichlich. Die Lösung „anpassen , Waage bestmöglich austarrieren , was wie du schon beschreibst fast unmöglich ist oder so zu leben das jener jederzeit bereit den Kampf für das was dir von Bedeutung ist , mit ehre , liebe und stolz zu „gehen“ wenn das .. leid .. dem dahinscheiden eines geliebten Menschen überwiegt , lohnt es nicht sich den Qualen und pain tag für tag hinzugeben .

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      6. Der restliche Teil war verborgen. Ich muss die Kommentare freischalten. Wenn der Schmerz umgewandelt wird für den Zweck, aus dem er geboren wurde, dann hat das Leid erst einen Sinn, um sterben zu dürfen.

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