Illusion und Wahrheit: Kapitel 3

Dies ist eine Geschichte, wo du entscheiden kannst, was wahr und was Illusion ist.

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2


Kapitel 3

Der Teufel kommt mit dem Vorsatz, Gutes tun zu wollen, um noch mehr zu zerstören.

~ Paolo Choelo~

Ich lese die Zeilen. Der Morgen ist für einen kurzen Moment in zarten Rosa getaucht. Das Buch liegt leicht in meiner Hand, aber mein Geist ist schwer mit der Last der letzten Tage beladen. Habe ich mir zuviele Gedanken gemacht? Es gibt viele Menschen, die gerne meine Probleme hätten. Ich bin dankbar, für die Gefühle, für die Erkenntnis, für die Erinnerung. Das war nicht immer so. Das Eis in meinem Herzen schmilzt unbarmherzig. Jede Wunde erblüht aufs Neue, zieht die Vergangenheit ins jetzt. Eitrig, stinkend und voller Vorurteile eines erbarmungslosen Kindes. Was noch real und was durch Emotionen verändert ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich lasse es zu. Nehme den Schmerz, als was es ist, meine Erinnerung an eine unglückliche Kindheit. Das ist das erste, was an Bildern hochkommt. In diesem Moment wird die Welt ganz klein und existiert nur noch auf meiner Couch. Meine Hände beginnen zu bitzeln, da die Durchblutung gestört wird. Beim nächsten Punkt ist es still in mir. Keine Gedanken. Nur Bilder im Zeitraffer wie ein abgerissener Film. Blitze. Mein Blick schweift durch die Wand in die Ferne. Ich schrumpfe auf die innerste Zelle meines Seins, halte kurz inne und plötzlich explodiere ich in die Welt hinaus.

Gute Absichten sind wertlos, wenn sie nicht frei von Ego sind. Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Er steckt im Detail und was deine Gedanken angeht, steckt viel zu viel im Unterbewusstsein, als dass du wirklich behaupten könntest, sie seien rein, positiv und nicht zum Schaden anderer. Ich hatte auch gute Absichten. Ich wollte anderen helfen. Mich heilen. Aber wie es scheint, war das Leid notwendig für meine Lektion, damit ich heute genau an diesem Punkt bin. Was in den vergangenen 12 Zeitschleifen passiert war, ist eine andere Geschichte, ein Tagebuch, deren Sinn ich erst später erfahren werde. Was ich aber bis jetzt daraus erhalten habe, sind mein Schwert, mein Schild und Ausrüstung sowie meinen Kompass, um endlich diese Traumwelt zu betreten, die mich seit nun mehr 16 Jahren heimsucht. Es ist eine gefährliche Angelegenheit, diese Traumwelt zu betreten. Ich habe es schon dutzende Male versucht und es endete fast jedes Mal in einer Katastrophe, weil ich etwas erzwungen hatte, wofür ich noch nicht bereit war.

Die Welt an sich will dich scheitern sehen. Sie will dich stark machen. Sie will dich drücken, bis du endlich kapierst, Grenzen setzt, lernst und deine Fähigkeiten entwickelst, die du für deinen Lebensweg brauchst. Sie will es dir eben nicht leicht machen, damit du aus deiner Komfortzone ausbrichst. Glück ist eine Entscheidung, kein Zustand. Glücklich sein dagegen ein flüchtiger Moment, den wir nicht festhalten können und dürfen, weil dies ein so festliches und wertvolles Gefühl ist, welches sich sonst abnutzen würde. Zu leben ist eine Herausforderung. Es erfordert Hingabe, Leidenschaft und Mut. Wer keine Angst hat, ist bereits verloren. Sie schärft deine Aufmerksamkeit, ist ein Warnsignal, obwohl sie eigentlich gar nicht existiert, sondern nur vom Verstand erfunden ist, um zu überleben. Die Lösung des Konflikts, die sich daraus ergibt, ist einer der Schlüssel zum Leben.Wenn die inneren Barrieren und Mauern fallen, was bleibt? Die Masken der Rollen, mit denen wir uns identifizieren, sind in unserer Gesellschaft überlebenswichtig. Denn wenn die Angst und deine Maske dich nicht mehr beschützen kann, wer dann?

Ich will nicht mehr nur überleben, vegetieren und auf die Einsicht warten, dass das alles ist, eine Illusion zu leben in Selbstlüge und verquerter Vernunft. Mit all dem Guten, was ich beabsichtigt hatte, habe ich nur Unheil gestiftet. Wie könnte ich helfen, wenn es nicht meine Aufgabe ist zu lernen. Ich kann nur ich selbst sein. Echt und authentisch, ein offenes Ohr haben, ohne mich zu profilieren und Fragen stellen, wenn ich gefragt werde. Dabei höre ich andauernd die wohlwollenden Sätze: „Ich will dir doch nur helfen!“ Wie sollen wir verstehen, wenn wir den Horizont noch gar nicht erreicht haben? Aber dieser Satz verkörpert Eigennutz. Warum? Sie können nicht zu sehen und sich über die Entwicklung freuen, sondern sehen nur die negative Seite. Den Schmerz und das Leid. Sie können nicht unterscheiden, was notwendig ist und was nicht. Schmerz und Leid sind für sie generell nicht fruchtbar und dadurch empfinden sie den Drang, die Lösung sein zu müssen. Aber ich war auch mal dort.

Die erste Suche nach dem angeblich fehlenden Teil von mir im Außen habe ich vergeblich beschritten, nur um herauszufinden, dass ich bereits ganz bin. Das war damals schon eine kleine Enttäuschung, denn das bedeutet, dass ich nichts brauche, unabhängig bin und bedingungslos lieben darf. Ich sah mich gerne in den Augenspiegelungen anderer, liebte ein bedingtes und begrenztes Leben, was mir gezeigt wurde. Ich sah die Welt durch die Augen eines Anderen viel klarer, als durch meine eigenen. Das passte einfach nicht in mein verkorkstes Weltbild, welches von anderen bestimmt wurde. In meiner kleinen Welt dachte ich, eigenständig zu sein, eigene Gedanken zu haben, aber das war eher ein zweigeteiltes Bild, ein Doppelleben, welches ich im Hintergrund führte. Meine eigene Vorstellung von der Welt glich eher einen Traum. Ich wollte herausfinden, ob es stimmt, aber dieser Versuch wurde regelmäßig unterdrückt, von vielen Seiten, aber nicht von allen. So blieb die Hoffnung am Leben.

Da ich es leid bin, von dieser geträumten Welt, die ich als 16 jähriges Mädchen sah, belästigt zu werden, mir den Weg versperren zu lassen, immer wieder mein Augenmerk darauf richten zu müssen, gedrängt und förmlich genötigt werde, mich endlich mit ihr zu beschäftigen, lasse ich es mal zur Abwechslung zu und sehe, was passieren wird. Mit äußerster Vorsicht versteht sich. Vielleicht verstehe ich durch die innere Reise mehr meine Außenwelt. So habe ich das immer schon empfunden, aber nie aufrichtig gelebt. Es war eher der Gang durch eine lange Dunkelheit, stolpernd. Ein Lügenkonstrukt, das zum Brennen geboren wurde.


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