Illusion und Wahrheit: Kapitel 4

Dies ist eine Geschichte, wo du entscheiden kannst, was wahr und was Illusion ist.

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3


Kapitel 4

Ich wache auf, weit aufgerissene Augen und ein verkrampftes Gesicht, weil ich ins Bett gefallen bin. Meine Hände klammern sich an der Bettdecke. Es ist Nacht. Mein Weg geht in die Küche, wo ich die letzten Schlücke des kalten Kaffees trinke und mir eine Zigarette anzünde. Ich zittere, innerlich und außen. Meine Haut fühlt sich betäubt an. Der Mond ist für diese Nacht schon untergegangen, als ich voller Hoffnung auf die Schleierwolken schaue. Worte, Sätze, Dialoge feuern meine Phantasie an. Echos von Worten die nicht meine sind. Ich habe den Drang zu antworten, sie mundtot zu machen, damit das Flüstern aufhört. Der Traum ist vorbei. Sie sollen mir nicht auch noch hierher folgen. Ich hasse diese Verfolgungsträume und schreibe auf, was mir noch einfällt, halb im Dämmerzustand, um es unfreiwillig noch einmal zu erleben.

Manchmal geben die Menschen vor, dass du die oder der Böse bist, nur um das Gefühl der Schuld für das zu vertuschen, was sie dir angetan haben.

Dieser Satz folgt mir in meinen Schlaf. Habe ich das auch getan? Bilder zerbrechen in Scherben. Wenn das die Lösung sein sollte, dann will ich mein Problem zurück! Szenen der vergangener Woche durchströmen die aufhellende Szenerie. In der Illusion ist es so viel einfacher gewesen zu leben, aber ich habe mich nun mal dagegen entschieden und jetzt gibt es kein zurück mehr. Die Brücke ist zertrümmert. Gesichter und die Theodor-Heuss-Brücke flackern vor mir. Ich gleite vorsichtig auf die der Brücke Mitte zu. Damals tat es zwar weh, aber jetzt diese schwere Bürde zu tragen, ist fast unerträglich. Aber nur fast. Ich lebe immer noch und es wird auch nicht mehr leichter. Mein Rucksack zieht mich in die Wasser des Rhein. Nur die Einstellung diesbezüglich hilft mir es durchzustehen, meine Flügel wachsen zu lassen und die wahre Bedeutung des Lebens in all seiner Fülle zu leben. Ja, so muss es sein. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht! Ich renne in ein Labyrinth aus Rosenhecken. Alle anderen führen nur in Sackgassen. Es ist noch sehr ungewohnt, unheimlich und ich bin wie ein kleines Kind, was das Leben und die Selbstbestimmung und -verantwortung angeht, aber es macht Spaß! Etwas verfolgt mich. Es ist anders, fordernd und förderlich. Dankbarkeit. Das ist das Wort, was meinem Empfinden am nächsten kommt. Endlich fühlen ohne Selbstlüge! Es kommt näher. Echte chaotische Gefühle, die ich sowenig verstehe, wie mich selbst. Dankbar für dieses Drama. Dankbar für die Menschen. Ich renne schneller, mein Herz pumpt bis zum Hals. Sie ist wieder da. Das ist das dritte Mal, dass es mir so geht. Hoffentlich versaue ich es diesmal nicht. Eine Sackgasse. Ich habe keine Wahl mehr. Es ist mein letzter Versuch. Jetzt gibt es kein Entkommen mehr… Hilf mir!

Ich lege mich auf die Couch, weil ich den Weg kenne und alles, was mir im Wege steht, welze mich für den Rest der Nacht. Meine Gedanken kreisen. Ich führe ein Dialog mit der Dunkelheit wie eine Lehrerin: Die romantische Vorstellung des freien Willens ist nur etwas für Narren. Wer uns beeinflusst, liegt außerhalb unserer Wahrnehmung. Das Unterbewusstsein, die Hormone, die Umwelt, die Fügung, der Zufall? Und wir reden von Freiheit. Freiheit innerhalb deines Gefängnisses. Sie reden davon, dass deine Gedanken frei wären, um die Illusion zu erschaffen, die deine Kontrolle erfordert. Ich liege in der Dunkelheit. Meine Augen offen mit dem Blick zur Decke gerichtet, mein Blick klar. Ich will nicht auffallen, deswegen mache ich das, was andere auch tun würden. Genug preisgeben, damit sie denken, sie hätten mich. Wie paranoid. Aber bei mir keineswegs. Mein Stiefvater meinte schon in meiner Jugend: „Ich sehe dich. Alles was du tust. Jeden deiner Schritte. Ich habe überall meine Spione und mir entgeht nichts!“ So fing mein Erwachsenwerden hier auf der Erde an. Mit Kontrolle und Gefängnis. Es hat nie aufgehört, sich nur weiterentwickelt. Das einzige, dessen ich mich entziehen konnte, war meine innere Welt. Dort konnte mir keiner hin folgen. Außer die, von der anderen Seite der Welt.

Das zweite, was ich schon in meinem frühen Leben lernen musste, war: Jemand hört zu. Immer. Dies hatte Auswirkungen. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das wusste ich schon vor der ersten Klasse. An ein paar Momente kann ich mich gut erinnern, den ich träume noch heute davon. Ich sang meine eigenen Lieder, wenn ich draußen war. An meine erste Erinnerung an meinen Vater, wie ich auf eine organgenkarierte Schmusedecke auf der Erde lag und er sich über mich beugte und sagte: „Du bist mein kleiner Engel“, an mein erstes Weihnachten in Deutschland, an die Lieder, die ich erfand und sang wie in den Disneyfilmen. Vorallem, wenn ich von der Grundschule nachhause lief und die Kinder auf mich lauerten, um mich zu verprügeln, sang ich meine Lieder, um keine Gedanken an Angst zu verschwenden. Sie waren für mich arme Kinder, nicht an Geld, aber an Liebe. Ich habe meine eigene Form des Betens erfunden und wusste, dass jemand die Sprache meines Herzens versteht. Als Kind führte ich immer und überall Selbstgespräche, eigentlich Dialoge, aber mit keinem, den man sehen konnte. Ich hatte keinen imaginären Freund oder so, sondern war alleine, aber nie einsam. Das Nachbarsmädchen wurde gezwungen, mit mir zu spielen, aber damals machte es mir nichts aus.

Das dritte, was ich gelernt habe, ist, mich nicht an Materielles zu klammern. Ich hatte soviel Hausarrest, Telefonverbot und Fernsehverbot, dass ich die Dinge bis heute nicht mag. Ich bin ungern daheim, ich telefoniere ungern und im Fernsehen muss schon etwas sehr interessantes laufen, damit ich meine Zeit davor verschwende. Es gab einen Tag in meiner Kindheit, da war ich so sauer, dass mich meine Eltern mit dem Fernsehschauen erpressten, dass ich meinen Fernseher, der bei mir im Zimmer stand und ich vorher mit meiner Schwester geteilt habe, abstöpselte und vor das Elternzimmer schob. Es dauerte mehr als 15 Jahre, bis ich wieder freiwillig Ferseh schaute. Genauso mit Schokolade. Ich esse erst seit 5 Jahren wieder sporadisch diesen Süßkram. Sowie Fisch. Ich wurde zwar nur ein paar Mal gezwungen, etwas zu probieren, wo mir schon beim Geruch speiübel wurde, aber das eine Mal blieb das kleine Stück Fisch über eine halbe Stunde in meinem Mund, bis mein Stiefvater mich auf die Toilette schickte. Ich habe vieles im Leben verloren: 12 Brillen, Schlüssel, Dokumente, Bücher, Bilder, Taschen, Brieftaschen, Karten, Geld, Erinnerungsstücke, um nur einige zu nennen.

Also warum das Ganze? Mich jetzt daran zu erinnern, soll mir bei was genau helfen? Dein Leben ist so gelaufen, weil es sein musste. Hör dir zu. Was, ich soll mir zuhören, ich höre mir nie zu. Vielleicht ist das dein Problem. Ich höre dir immer zu. Vielleicht solltest du damit auch langsam mal anfangen. Du hast immer ein Ohr für andere. Was ist mit dir? Was mit mir ist. Weiß ich nicht. Ich fühle mich etwas verloren, aber trotzdem muss ich weiter, oder? Wie wäre es, wenn wir einmal eine Pause einlegen und über dich reden? Du weißt, wo du mich findest. Ich warte auf dich.


Kapitel 5

Kapitel 6

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