Liebe ist die größte von ihnen

Als ich mit 15 Jahren konformiert wurde, suchte ich mir den Psalm Korinther 13,13 aus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Ich habe mir den Spruch wegen den voran gegangenen Geschriebenen ausgesucht: “ Und hätte [ich] allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Glaube ist nicht das wichtigste auf der Welt. Damit rühmen sich die Religionen, dass Glaube das wichtigste sei. Aber was wären wir ohne die Liebe? Diese Liebe, die alles verbindet? Mein Konfirmationsspruch hat seid jeher mein Leben begleitet. Die Religionen sind gar nicht so extrem unterschiedlich. Als ich in der Türkei Urlaub machte, kam ich an einem Gotteshaus vorbei, wo die Glaubenssymbole des Judentums, des Christentums und des Islams an der höchsten Stelle in den Himmel ragten. Ich war so fasziniert davon, dass diese drei in diesem Gebäude zusammen gefunden hatten. Die drei monotheistischen Weltreligionen und Weltanschauungen, die den polytheistischen Glauben gegenüberstehen.

Die monotheistischen Glaubensrichtungen glauben an eine Endzeit, dass alles einmal endet, wir aber das ewige Leben der Seele feiern können. Die Hinduisten und Bhuddisten glauben an einen ewigen Zyklus von Geburt und Wiedergeburt. Ihr Ziel ist es, aus diesem Kreisel auszubrechen und dem ein Ende zu setzen. Deshalb gibt es in dem Sinne kein Ende für sie, auch keine Endzeit, keine Apokalypse. Obwohl… Apokalypse ist griechisch und heißt Enthüllung, Entschleierung. Also könnte auch für uns das jüngste Gericht in der westlichen Geschichte immer wieder erkennbar sein, wenn man genauer hinschaut. Die Schöpfungsgeschichten haben vieles gemeinsam und unterscheiden sich im Grunde gar nicht so sehr von der Wissenschaft, die damit vereinbar wäre. Die Bibel ist bildlich zu nehmen, das habe ich früher gelernt und wer sagt nicht, dass ein Tag im Leben eines Gottes nicht auch einen Teil Ewigkeit heißt, so etwa ein paar Millionen Jahre? Warum wollen wir immer alles trennen? Glaube und Wissenschaft, Endlichkeit und Unendlichkeit?

Wir wandeln unsere Energie doch bloß um… Werden wir nicht zu Lebzeiten nach der Liebe gerichtet? Dass Leben geben ist? Wir entstammen alle dem Nichts, der Abwesenheit von Licht, der Dunkelheit. Wenn wir uns vorstellen, dass das Universum auch aus einem komprimierten Punkt entstand, so wie der Mensch und die Lebewesen aus einer winzigkleinen Zelle, ist es wichtig, dieses Wunder wirklich allumfassend verstehen zu müssen? Ein einzelner Mensch kann immer nur einen kleinen Teil der Perspektive sehen. Der höhere Blick ist nicht mehr für den Verstand erfassbar. Ich vergleiche es auch gerne mit Ameisen im Garten, wie sie denken, dass der Rasen, die Blumen und ihre Kolonie ihre ganze Welt sind. Jeder ist sein eigener Anfang und sein eigenes Ende, das Ziel, die Bestimmung, der Weg des Lebens. Liebe: Ein Sammelbegriff für Hunderte von Worten und doch speziesübergreifend und einzigartig. Danke ❤

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2 Kommentare zu „Liebe ist die größte von ihnen

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