Das ganze Leben ist ein Spiel

Worauf ich mit dem Titel hinaus will? Mit Spiel und Spaß fangen schon die Kleinsten an zu lernen. Wieso sollte man das nicht beibehalten? Dieses Grundprinzip kann man auch auf viele andere Bereiche des Lebens projizieren. Wie Mary Poppins bereits sagte:

„In jeder Arbeit, merkt euch das, steckt auch ein klein wenig Spaß. Entdeckt den Spaß und schnapp, die Arbeit klappt!“

Arbeit darf keinen Spaß machen

Wir bekommen im Kindesalter beigebracht, dass Arbeit Spaß machen kann und soll. Das fängt beim Entdecken der Welt an und geht im Kindergarten weiter. Dort wird uns außerhalb unseres Elternhauses – wie der englische Begriff EDUCATION treffend beschreibt – durch Erziehung und ‚Spielunterricht‘ beigebracht, was im Leben auf uns zu kommt und wie sie funktioniert. Aber ab der Schule wird alles zur Pflicht reduziert und der Spaß ist vorbei. Dem muss ich widersprechen. Denn es ist eine Einstellungssache, wie man die Dinge angeht und sieht, nichts weiter. Wenn uns etwas Spaß macht, gelingt es wie von selbst und umso besser. Wir können uns den Lerninhalt besser merken, das heißt auch besser aufnehmen. Wieso sollten wir uns dieses einfache Prinzip nicht zu Nutze machen? Weil es in unseren Köpfen heißt, dass harte Arbeit keinen Spaß machen darf?

Es ist nirgendswo festgelegt, dass wir uns nicht begeistern dürfen. Diese negative Ansicht hat sich aber leider seit langer Zeit in das Gesellschaftsbewusstsein eingegraben.  In anderen Teilen der Welt würde man darüber noch nicht einmal nachdenken, unser Handeln so emotionslos und verstandgesteuert zu bewerten. Grundlegend ist diese Einstellung aber für Industrieländer, wo Menschen auf ihren Zweck und „Geldwert“ reduziert werden. Die Arbeit ist der Kapitalwert. Traurig, aber wahr. Die Familie ist auf ihren Zweck reduziert, wo aber zum Glück ein Trend zur Besinnung der Werte festzustellen ist.

Kreativität entsteht aus unserer Fantasie

Das Paradoxe an der ganzen Sache ist, das Kreativität immer mehr gefragt ist. Dennoch machen wir es systematisch klein. Wie soll Fantasie entstehen, wenn wir im Kindesalter dieser schon abgewöhnt werden? Es ist verständlich, dass Kreativität und Fantasie in der Schule unzureichend bewertet werden kann. Trotzdem ist es eine pädagogische Pflicht, die Fantasie zu fördern. Es ist nicht nur wichtig für unsere Entwicklung, sondern auch für unser im Erwachsenenalter abstraktes Denken. Es besteht ein Zusammenhang. Je konkreter und fantasievoller wir als Kinder sind, umso abstrakter und kreativer sind wir als Erwachsene.

Die Fantasie ist eine Sache des Herzens. Unser Verstand ist die Instanz, die bewertet und uns sagt, was wir nicht tun sollen. Wenn wir beim Herzen bleiben: Das Herz sagt uns, was wir tun sollen! Sind wir passiv oder aktiv? Reagieren wir oder agieren wir und rufen Reaktionen hervor? Sind wir neugierig oder konsumieren wir nur die Informationen? Schopenauer hat einmal gesagt:

In jedem Kind steckt ein Genie und in jedem Genie gewissermaßen ein Kind!

Advertisements

Richtlinien der Schulen – Phantasie und Kreativität

In den Richtlinien der Schulen und im Bildungsystem steht geschrieben, dass Lehrer die Schüler und Schülerinnen in Phantasie und Kreativität fördern sollen. Dies gestaltet sich aber trotz aller Mühen sehr schwierig. Lehrer bekommen einen Lehrplan vorgesetzt, an denen sie sich halten müssen. Außerdem sind unter den Schülern und Schülerinnen viele verschiedene Talente, die jeweils anders gefördert werden müssen.

Phantasie ist unterbewertet

Phantasie bedeutet, dass man sich frei entfalten kann, ohne Grenzen. Es gibt kein „Thema verfehlt“ oder „Das darf nicht aufgeschrieben werden“. In der Schule ist das anders.  Kaum lernen wir eine Sprache, wird sie uns durch stupide und langweilige Schullehrformen wieder genommen. Aber wer kann den Lehrern und Lehrerinnen einen Vorwurf machen. Sie werden ja von den Lehrplänen geleitet. Sicherlich kann man als Lehrer und Lehrerin im einzelnen freie Themen vorgeben, aber wie soll man das als Lehrer oder Lehrerin benoten?  Eine Geschichte handelt von Zombies, die andere handelt von der Liebe. Wo findet man ein Maßstab, um es zu bewerten?

 Eltern sollten Kinder fördern

Wenn man weiß, dass die Schule die Phantasie und Kreativität nur sehr begrenzt fördern kann, dann hat man gegenüber seinem Kind (so ist meine Meinung – nochmal betont), die elterliche Fürsorge, mit Spaß und Spiel die Sprache zur Entdeckungsreise zu machen. Wenn man als Eltern dies nicht fördert, darf man sich nicht wundern, wenn die Kinder nur vor dem Fernseher, Spielekonsole oder PC sitzen, sich nicht richtig ausdrücken können, nicht gerne lesen, einfallslos sind, usw. Es sind Unterhaltungsmedien, die natürlich viel spannender und „IN“ sind als altmodische gedruckte Bücher und Brettspiele.

Pro-Argumente für den Spaß an der Sprache

Es gibt viele Beispiele, die für das Fördern der Phantasie und Kreativität bei Kindern sprechen und nicht nur bei ihnen. Es wirkt sich auf unser ganzes Leben aus. Je konkreter, erfinderischer und phantasievoller wir in unserer Kindheit sind, umso abstrakter und kreativer sind wir als Erwachsene. Phantasie und Kreativität braucht man im Smalltalk, um sich ausdrücken zu können, den Wortschatz zu erweitern, träumen zu können und unsere Grenzen kennen zu lernen, zwischenmenschliche Beziehungen erfolgreich zu meistern (Gebrüder Grimm Märchen sind ideal für Beispiele der zwischenmenschlichen Beziehung), zu improvisieren und ich gehe sogar soweit, dass man es im Beruf und Allgemeinwissen braucht. Neue Sprachen lernen oder übersetzen ist ein Handwerk. Es gibt bestimmte Techniken und Methoden, die man duplizieren und anwenden kann. Die Grenzen sind nur im Kopf.

Was Worte bewirken

Es ist das grundlegendste Kommunikationsmittel nach der Körpersprache. Es hat ebenso weitreichende Auswirkungen: Wir können uns missverstehen, streiten, diskutieren, flunkern, schreien, flüstern, Gefühle ausdrücken und noch viel mehr.Der absolute Grundwortschatz besteht aus ca. 400 Wörtern. Wieviel kann man mit 400 Wörtern ausdrücken? In der eigenen Welt gibt es nur das, was man formulieren, denken, fühlen, hören, riechen, sehen oder schmecken kann. Alles andere gibt es quasi für den Einzelnen nicht, obwohl es in der objektiven Welt sehr wohl existiert. Es ist natürlich Ansichtssache. Als Erwachsener ist man selber dafür verantwortlich, ob und wie man sich weiterbildet, seine Sprache nutzt und seine Phantasie und Kreativität fördert. Dennoch ist Phantasie und Kreativität fundamental für unsere Entwicklung.  Je mehr Wörter man kennt, desto besser kann man die Welt beschreiben und verstehen. Man sieht sie durch eine andere Brille wie vorher, genauso wie es bei Kindern passiert. Haben Sie einmal die leuchtenden Augen eines Kindes gesehen, wenn es endlich weiß, wie das Ding heißt? Wie seelenschmeichelnd sind herzerweichende Gedichte, sehnsuchtserfüllte Schnulzenfilme oder die gruseligen Horrorbücher.

Passiver und aktiver Wortschatz

Wir nutzen nur einen Teil unseres Wortschatzes aktiv im Alltag. Der Rest schlummert vor sich hin. Wenn wir ein Buch lesen, Radio hören oder Fernseher schauen, gibt es bestimmt einige Wörter, die wir schon lange nicht mehr gehört und benutzt haben. Ein durchschnittlicher erwachsener Mensch hat in der Regel einen aktiven Wortschatz von ungefähr 6.000 Wörtern, ein hochgebildeter Mensch bis zu 12.000 Wörtern. Die deutsche Sprache hat aber mehr als 100.000 Wörter (gemäß Wörterbuch Leipziger Universität).

Contra-Argumente

Einen Wortschatz von 100.000 Wörtern kann man im normalen Alltag niemals verwenden. Eine durchschnittliche Frau redet 12.000 Wörter am Tag, während ein durchschnittlicher Mann nur 7.000 Wörter gebraucht. Andere Sprachen kann man nur so gut beherrschen, wie man seine Muttersprache beherrscht. Man kann auch nicht alles wissen. Obwohl der Mensch ein komplexes Gehirn hat, haben wir nur begrenzte Kapazitäten, weil wir nach Prioritäten denken und Unwichtiges vergessen oder auf dem Abstellgleis im Kopf legen. Wenn man sich einen allgemeinen Wortschatz erarbeitet und sich auf ein Gebiet spezialisiert, zum Beispiel Fachsprache oder Thematik, ist dies schon sehr beeindruckend. Aber lasst euch nicht entmutigen. Seht es eher als einen Aufruf zum Verständnis und Spaß an der Sprache. Damit ist vielen geholfen.