Nichts ist verschwendet

Wir machen viele Dinge. Wir machen auch oftmals viele Dinge, die anfangs keinen Sinn ergeben. Hast du auch einmal etwas getan, Energie und Zeit investiert, was dir im ersten Moment angeblich nichts gebracht hat? Manchmal ist es ein Job, wo du nur reinbutterst, Gefallen, die du immer wieder erweist, ohne einen objektiven Nutzen oder Vorteil davon zu haben, jeden Tag wie eine gesprungene Schallplatte wiederholst. Verstehen tun wir es im ersten Augenblick vielleicht nicht, sondern erst Jahre später, aber ich glaube fest daran, dass alles was wir tun, einen Sinn ergibt. Erfahrungen sammeln. Entscheidungen, die wir treffen, können vielleicht auch erst getroffen werden, wenn wir etwas als sinnlos erachten. Deswegen ist die investierte Kraft nicht umsonst. Ohne diese Erfahrung hätten wir die Entscheidung auf diese Art und Weise nicht treffen können. Es ist immer die Sicht der Dinge, die sie beschreibt. Jeder empfindet die Welt anders. Jeder Mensch hat andere Erfahrungen, fühlt anders, hat andere Erinnerungen. All das fließt in eine Situation mit ein.

Jahre vergehen, bevor wir eine Entscheidung treffen können, weil wir immer wieder neue Bausteine bekommen. Energie wandelt sich um. Geld verschwenden, Zeit verschwenden, darüber könnte man eine Grundsatzdiskussion führen. Was heißt eigentlich VERSCHWENDEN? Verschwenden bedeutet ja laut Duden: „Der Zustand, wo viel mehr verbraucht wird als benötigt.“ Laut Wortherkunft heißt es verschwinden lassen. Energie verschwindet nicht, es transformiert sich, wandelt sich um. Im Endeffekt verschwindet wirklich nichts. Wir können es nur nicht mehr mit den Sinnen erfahren. Wir leben hier im Überfluss, im Gegensatz zu anderen Teilen der Welt. Aber andererseits gibt es auch positive Aspekte der Verschwendung. Liebe und Geben zum Beispiel.  Der Glaube, Freude, die Natur ist verschwenderisch, existiert im Überfluss. Verschwenden ist zwar abwertend, aber es ist die Art, mit was man das Wort in Verbindung bringt. Verschwenderischer Genuss kann sowohl positiv als auch negativ sein, wie zum Beispiel bei den Feiertagen und in der Kunst. Kunst ist verschwenderisch, aber ohne Kunst, wären wir keine Kultur.

Unsere Verschwendungsgesellschaft

Wenn ich mir aber die Konsumgesellschaft ansehe, wieviel hier verschwendet wird, in der Wirtschaft, in der Industrie, obwohl es so viel Mangel gibt, da ist es vielleicht anders. Wir verbrauchen und brauchen viel mehr, als wir wirklich benötigen. So viel Geld wird aus dem Fenster geschmissen,unglaublich und da soll auch nichts umsonst sein? 50 Millionen Tonnen Schweinefleisch in Produktion und 22 Milionen Tonnen werden weggeschmissen. Hauptsache die Supermarktregale sind voll. Ich schließe mich da nicht aus. Ich versuche schon meine Verschwendung zu reduzieren oder ganz zu vermeiden, aber ich fülle mich förmlich genötigt zu verschwenden. Bei einem Einkauf ist mein Mülleimer voll vom Verpackungsmüll gewesen.  Einweggessellschaft. Vieles ist auf kurze Nutzungsdauer ausgelegt, um mehr Geld zu scheffeln. Stromverschwendung, Wasserverschwendung, Steuerverschwendung, Materialienverschwendung, Lebensmittelverschwendung, Zeitverschwendung, die sieben Arten der Verschwendung in der Produktion, Verschwendung von Potential, Prunk und so vieles mehr.

Schmerz ist nicht umsonst. Freude ist nicht umsonst. Das Leben ist nicht umsonst.

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Liebe ist die größte von ihnen

Als ich mit 15 Jahren konformiert wurde, suchte ich mir den Psalm Korinther 13,13 aus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Ich habe mir den Spruch wegen den voran gegangenen Geschriebenen ausgesucht: “ Und hätte [ich] allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Glaube ist nicht das wichtigste auf der Welt. Damit rühmen sich die Religionen, dass Glaube das wichtigste sei. Aber was wären wir ohne die Liebe? Diese Liebe, die alles verbindet? Mein Konfirmationsspruch hat seid jeher mein Leben begleitet. Die Religionen sind gar nicht so extrem unterschiedlich. Als ich in der Türkei Urlaub machte, kam ich an einem Gotteshaus vorbei, wo die Glaubenssymbole des Judentums, des Christentums und des Islams an der höchsten Stelle in den Himmel ragten. Ich war so fasziniert davon, dass diese drei in diesem Gebäude zusammen gefunden hatten. Die drei monotheistischen Weltreligionen und Weltanschauungen, die den polytheistischen Glauben gegenüberstehen.

Die monotheistischen Glaubensrichtungen glauben an eine Endzeit, dass alles einmal endet, wir aber das ewige Leben der Seele feiern können. Die Hinduisten und Bhuddisten glauben an einen ewigen Zyklus von Geburt und Wiedergeburt. Ihr Ziel ist es, aus diesem Kreisel auszubrechen und dem ein Ende zu setzen. Deshalb gibt es in dem Sinne kein Ende für sie, auch keine Endzeit, keine Apokalypse. Obwohl… Apokalypse ist griechisch und heißt Enthüllung, Entschleierung. Also könnte auch für uns das jüngste Gericht in der westlichen Geschichte immer wieder erkennbar sein, wenn man genauer hinschaut. Die Schöpfungsgeschichten haben vieles gemeinsam und unterscheiden sich im Grunde gar nicht so sehr von der Wissenschaft, die damit vereinbar wäre. Die Bibel ist bildlich zu nehmen, das habe ich früher gelernt und wer sagt nicht, dass ein Tag im Leben eines Gottes nicht auch einen Teil Ewigkeit heißt, so etwa ein paar Millionen Jahre? Warum wollen wir immer alles trennen? Glaube und Wissenschaft, Endlichkeit und Unendlichkeit?

Wir wandeln unsere Energie doch bloß um… Werden wir nicht zu Lebzeiten nach der Liebe gerichtet? Dass Leben geben ist? Wir entstammen alle dem Nichts, der Abwesenheit von Licht, der Dunkelheit. Wenn wir uns vorstellen, dass das Universum auch aus einem komprimierten Punkt entstand, so wie der Mensch und die Lebewesen aus einer winzigkleinen Zelle, ist es wichtig, dieses Wunder wirklich allumfassend verstehen zu müssen? Ein einzelner Mensch kann immer nur einen kleinen Teil der Perspektive sehen. Der höhere Blick ist nicht mehr für den Verstand erfassbar. Ich vergleiche es auch gerne mit Ameisen im Garten, wie sie denken, dass der Rasen, die Blumen und ihre Kolonie ihre ganze Welt sind. Jeder ist sein eigener Anfang und sein eigenes Ende, das Ziel, die Bestimmung, der Weg des Lebens. Liebe: Ein Sammelbegriff für Hunderte von Worten und doch speziesübergreifend und einzigartig. Danke ❤