Einen Monat Rauchfrei

Es ist nun einen Monat her, wo ich mich entschieden habe, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich hatte ja schon beschrieben, dass es mir erstaunlich leicht fiel und ich keinerlei Beschwerden oder Entzugserscheinungen hatte und möchte nun einen kleinen Zwischenstand für das erste Etappenziel schreiben.

Wie ist das Leben als nicht aktive Raucherin?

Ich muss gestehen, die Umstellung ist anders als gedacht. Alle reden davon, dass es besser wird und du schmeckst mehr, hast bessere Luft und blablabla. Völlig überraschend ist es wie zuvor, außer dass ich drei Wochen lang eine unangenehm brennende Zunge hatte. Mir hat kein Kaffee mehr geschmeckt, auch Fleisch brachte mir Übelkeit. Leider war es ein Auslöser für eine angehende Depression, was mir jetzt wirklich nachhängt und woran ich stark zu knabbern habe. Ich empfinde es als äußerst langweilig, nicht zu rauchen und hatte schon öfters überlegt, wieder anzufangen. Ich nahm einmal in der Woche einen einzigen Zug von der Zigarette, damit mir richtig übel wird und ich merke, wie ekelhaft das eigentlich ist. (Der Zug an der Zigarette wird wirklich eklig!)

Mir ist aufgefallen, dass ich ein unglaublich starkes Verlangen nach einer Zigarette habe, wenn meine Gefühle mich überrennen. Was auch irritierend war, war das befreiende Körpergefühl der Sinne. Es war wie ein klarerer Blick auf die Dinge, unglaublich nervend, ehrlich gesagt. Ich habe hauptsächlich geraucht, um mich zu betäuben und als selbstzerstörerischen Aspekt und aus Langeweile. Mir hat das Essen und Trinken keinen Spaß mehr gemacht, weil es mich von den sinnlichen Eindrücken einfach überfordert hat. Ich habe nur noch Wasser getrunken, in der Hoffnung, keine körperliche Reaktion heraufzubeschwören. Es ist schwierig für mich, nicht selbstzerstörerisch zu sein. Das hätte ich nicht gedacht. Ich bin so gut darin geworden, mir zu schaden, dass  ich erst einmal lernen muss, mir gut zu tun.

Februar war meine Monats-Challenge „Clean up“, also inneres und äußeres Aufräumen. Was mir passiert ist, war, dass mir einiges bewusster geworden ist und ich hinterher gehechtet bin, überhaupt etwas zu machen und durchzuhalten, mir selbst keine Vorwürfe zu machen. Viele Exraucher berichten, dass es eine schwierige Phase am Anfang ist. Ich denke mir, uns wird der Spiegel gezeigt, warum wir das Löffelchen Gift gebraucht haben. Jeder Raucher hat einen anderen wahrhaftigen Grund aufzuhören: Die Gesundheit erfordert es eindringlich, man hat ein sportliches Leistungsziel, es ist zu teuer, etc. . Ich wollte einfach nicht 20 Jahre geraucht haben. Das war die pure Eitelkeit, die mir die Stärke gab. Der Stolz, aber auch das eine ehrliche Versprechen, mein sportliches Ziel mit Kung Fu, dem Laufen und dem Pilgern, den Krankheiten, die ich bei anderen sehe, meine Zähne (die Alpträume mit Zähnen haben zwar etwas anderes zu bedeuten, aber auch ein Alptraum kann eine Motivation sein).

Es war meine Anforderung an meine Pilgerreise. Ein Ziel war es, mit dem Rauchen aufzuhören, weil es ein Teil des Weges zu mir und meiner Vergangenheit zeigt. Es ist ein Teil meiner Selbstherausforderung, meine Selbstverantwortung zu übernehmen, mit meinen Gefühlen zurecht zu kommen, Gefühle zu regulieren, mich selbst zu akzeptieren. Im Moment bin ich noch angekratzt, aber ich glaube fest daran, dass es nur der Anfang einer langen Reise ist.

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