Gedanken(k)reise: Same as every Year

Das neue Jahr hat so angefangen, wie das alte Jahr aufhörte. Aber trotzdem geht es noch tiefer. irgendetwas hat sich seit Weihnachten verändert. Es ist nicht dergleiche Tiefgang in meiner Innenschau. Es ist eine weitreichendere Änderung meines Wesens, als ich oder andere zu begreifen vermögen. Ist es wirklich so ungefährlich, in die Vergangeheit zu schauen? Die Zukunft ist dynamisch und verändert sich mit jeder unserer Entscheidungen, bleibt aber auf eine verquere Weise ähnlich. Die Vergangenheit ist aber auch gefährlich. Auf dem Zeitstrom ist alles eins und getrennt zugleich. Merkwürdige Zeiten… An Weihnachten ist etwas unglaubliches passiert, was ich nur in den Grundzügen verstehen kann. Vor 10 Jahren hatte ich das letzte Mal mit meinem Exfreund Weihnachten gefeiert. Es war auch jenes Silvester, wo er mir einen Heiratsantrag gemacht hatte und jetzt im Januar ist es 10 Jahre her, wo ich meinen leiblichen Vater das letzte Mal in den USA sah und besuchte. So viele Wunden sind aufgerissen. Bilder aus der Vergangenheit, die längst hätten vergessen sein müssen, tauchten in mir auf. Eine innere Pilgerreise, die in solchen Zeiten intensiv zum Vorschein tritt…

Was passiert war…

Als ich meinen Exfreund beim Weihnachtsfest bei meiner Familie sah, ist mir die Sicherung durchgebrannt, aber da ich Benehmen und Anstand habe, habe ich mich mit meinen Mann und meinem Sohn leise verabschiedet, bevor wir gegessen hatten, aber nachdem wir die Geschenke auspackten. Keiner war so entsetzt wie ich, dass ER da war. Für meine Schwester ist er der Patenonkel ihres Kindes und ein guter Freund, mit dem sie ständig in Kontakt sind und für meine Mutter ein guter Freund, der ihr hilft, wenn sie ihn ruft. Er gehört für sie zum inneren Kreis der Familie, wo ich schon lange nicht mehr dazu gehöre. Aber das ich vielleicht besser so. Ich teile ihre Ansichten über Leben und Erziehung nicht. Habe ich noch nie getan. Es tat berstend weh, dass wieder zu erkennen und zu akzeptieren. Nach meinem Wutanfall sah ich als Segen und Geschenk, dass ich aus dem Bann kommen durfte, aus der Illusion, dass ich dazu gehören wollte.

Dunkle Seiten

Sie lieben mich wahrscheinlich nicht nur wegen den genetischen Altruismus, wahrscheinlich auch wegen Gewohnheit und schwierigen Zeiten, die zusammenschweißen. Aber es sind immer Bedingungen daran geknüpft, immer. Die andere Seite ist wahrscheinlich, dass sie lernten, mich irgendwie zu lieben, aber nicht als der Mensch, der ich bin, sondern nur in die Idee, die sie von mir hatten. Das ist die eine dunkle Vorstellung, die immer wieder in mir aufkeimt, aber trotzdem glaube ich fest daran, dass sie mich einfach nur lieben können, weil sie mich lieben und an mich denken… Wenn ich höre, dass sie immer nur das beste für mich wollten und sich für mich etwas besseres vorstellen und wünschen, sollte ich mich geschmeichelt und geliebt fühlen, aber es ist für mich großer Hohn und Verleugnung meiner Selbst. Sie sehen nicht, dass es mein Weg ist, dass es meiner Persönlichkeitsentwicklung dient. Es ginge auch viel einfacher ja, wenn ich mich nur anpassen könnte. Es tut weh zuzusehen, wenn jemand Geliebtes leidet, weil Hormone uns zu Empathie zwingen und wir mitleiden, aber wir sind alle Egoisten. Wenn wir nur an andere denken, sind wir Egoisten, weil wir nach dem Gefühl trachten, Anerkennung zu erlangen oder selbst nur das Gefühl zu haben, die Welt eines anderen zu verbessern. Wir sind auch Egoisten, wenn wir nur an uns selbst denken. Es dient alles dem Eigennutz. Aber wenn wir das erkennen, können wir es vielleicht besser integrieren, denn es ist der Eigennutz, dass wir unser bestes geben, um die Welt und somit allen anderen einen Teil von uns zu geben.

Unangenehme Erinnerungen

Schon in meiner Kindheit wurde ich ausgeschlossen und nannte es die Franzkrankheit (Stiefvater & Co.). Zwei altbekannte Freundinnen aus meiner Jugend erzählten mir, wie sie meine Verwandtschaft erlebten und dass ich immer das schwarze Schaf war, dass alles abbekam. Egal, was ich tat, war nie gut genug und deshalb war ich ein Rebell, ließ alles an mir abprallen, wo man mich angreifen wollte und mich und meinen Willen vorhatte zu brechen. Es war immer schon ein Kampf. Um diese Zeit zu Weihnachten, Silvester und Neujahr gibt es die letzten Jahre immer eine besondere Zeitqualität, die mich in Erinnerungen zieht und mir alte vergrabene Gefühle und Bilder zeigt. Das ist grausam, aber anscheinend nötig, um mir zu helfen, aus alten Mustern herauszukommen. Aus den Illusionen auszusteigen, den Selbstlügen, die unser Überleben gesichert haben. Sie bleiben solange, bis sie nicht mehr notwendig sind, so wie der Schmerz. Schmerz kann auch ein Antreiber sein, ein mächtiger, so wie die Angst und die Angst vor der Angst.

Alles ist ein Spiegel, innen und außen, oben und unten, groß und klein, gut und böse, alles eins. Unabdingbar miteinander verbunden. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Wir sind unfrei in unseren Entscheidungen, ist es nicht das Unterbewusstsein, dass uns zu über 90 % steuert. Wir denken, dass wir frei im Denken und unserem Handeln sind, in unseren Gefühlen und der Wahl. Wir sind vermutlich erst frei, wenn wir bedingungslos sind oder nicht? Immer dieser schmale Grad zwischen Polarität und Einheit. Wir sind hier, um Erfahrungen in der materiellen Welt zu machen, Fehler zu machen, eine Sammlung zusammen zu bekommen, nur für den Zweck,dass unsere Seele daran wachsen kann und andere daran Teil haben. Wir sind frei in der Entscheidung, was wir mit der Zeit anstellen, die uns gegeben ist mit den Dingen umzugehen, die uns passieren. Es ist immer eine Weggabelung. Zwar sind wir unfrei in der Wahl der Möglichkeiten, aber dieser kleine Fitzel, auch wenn er beeinflusst ist, diese oder jene Richtung zu wählen, da sind wir frei, denn jeder entscheidet anders, aus seinen Erfahrungen, dem Verstand und seinem Bauchgefühl, seinem Herzen heraus.

 

Dieses Lied läuft bei mir in den letzten Tagen rauf und runter:

Wenn ich nicht weiß, wie ich meine Gefühle fassen soll, suche ich nach Liedern, die mich berühren, denn sie können mir am begreiflichsten machen, was los ist. Lustig ist ja, dass Musik vor sehr langer Zeit mal „erfunden“, also gefunden wurde, um dem Göttlichen zu huldigen und sich mit jener Existenz zu verbinden. Eine Dimension zu schaffen, ein Tor zu öffnen, um zu sehen, zu verstehen und Botschaften zu empfangen. Hat sich wirklich so viel daran geändert außer die Worte?

Sind wir denn nie genug?

Der Text gefällt mir sehr…. zum Träumen verführt!

In meinen letzten Kommentaren habe ich auch über die Themen gesprochen, die dieses Lied anspricht. Lina hat es schön in Melodien gekleidet. Ich bin dankbar für solche Lieder, dem Musik ist Kunst, die Sprache der Seele. Wir wollen es immer größer, schneller, intensiver, anstatt uns auf die kleine Dinge des Lebens zu freuen. Es ist wirklich schade, dass wir die Kleinen Dinge nicht mehr schätzen. Sind wir es uns nicht mehr wert? Alles fängt einmal klein an. Das dürfen wir nicht mehr unterschätzen.

Es geht nicht darum, was andere denken. Die Gesellschaft konditioniert unser Denken stark. Wir sind nicht falsch, nur weil wir vielleicht anders denken, ohne anderen zu schaden. Wir haben das Bedürfnis, anderen zu gefallen, uns zu beweisen. Alte Relikte aus unserer Kindheit. Wir denken, wir müssen uns beweisen, um geliebt zu werden. NEIN, wir sind von uns aus liebenswert. Wir sollten nichts dafür tun müssen, um geliebt zu werden. Natürlich baut man eine stärkere Bindung durch Handlungen und Worte auf, aber das sollte nicht die Bedingung sein. Ich halte sowieso nichts von bedingter Liebe.

Viele Menschen fangen nicht an, ihre Träume zu verfolgen, weil sie gleich zu groß anfangen wollen, anstatt in kleinen Schritten vorwärts zu kommen. Die kleinen Tagträume, ohne Perfektion, chaotisch. Fang einfach an, egal wie. Es ist wirklich egal, was du machst, tue es einfach. Fehler sind gut. Sie sind da, um gemacht zu werden. Aus ihnen lernen wir. Und manchmal sind sie genau das, was wir brauchen, um weiterzukommen. Das was wir wollen, ist nicht immer das, was wir brauchen. Kleine Erfolge, Etappenziele, Tageserrungenschaften 😀

Genau das macht das Leben aus.

Auch eine lange Reise fängt mit dem ersten Schritt an! ~ Dalai Lama